08/9 Transkript der Podiumsdiskussion vom 22.8
| Kategorie: Debatte Von Redaktion um 19:52 |
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![]() An der Podiumsdiskussion zu den „Grenzen des Darstellbaren“ im Kunstmuseum Bern waren sich die Podiumsexperten aus Ethik, Philosophie, Theologie, Recht, Sinologie und Kunst am Schluss überraschend einig, dass das umstrittene Werk Ruan wieder ausgestellt werden soll. Die Museumsleitung wird nach der Auswertung der Diskussion und weiteren Gesprächen mit dem Stiftungsrat, mit dem Sammler aber auch mit der Polizei bezüglich den Sicherheitsrisiken festlegen, ob und wie das Werk wieder in die Ausstellung integriert werden kann. Der Anlass stiess auf grosses Interesse und wurde von zirka 300 Personen mitverfolgt. Die Podiumsdiskussion, moderiert von Gabriela Christen (Schweizer Radio DRS2) stellte die Frage nach den Grenzen des Darstellbaren. Einleitend informierte Gastgeber und Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums Bern, dass die Klage von Adrien de Riedmatten im Punkt des Einzugs des Kunstwerks wegen „Gewaltdarstellung“, „Störung des Totenfriedens“ und „Verstosses gegen das Tierschutzgesetz“ in der Zwischenzeit vom Untersuchungsrichteramt zurückgewiesen wurde. Der Kläger Adrien de Riedmatten, der eingeladen war, seinen Standpunkt zu vertreten, bemängelte die Zusammensetzung des Podiums zur Beantwortung seiner Fragen zur Herkunft des für das Kunstwerk verwendeten Foetus. Zum Einstieg in die Diskussion zeigte Bernhard Fibicher, Kurator der Ausstellung, in 8 Bildern Präzedenzfälle der Kunstgeschichte seit dem 15. Jahrhundert bis heute. Die Podiumsteilnehmerinnen Miriam Cahn (Künstlerin), Ursula Pia Jauch (Philosophin), Irene Neubauer (Theologin), Andrea Riemenschnitter (Sinologin) sowie die Teilnehmer Beat Sitter-Liver (Ethiker), Peter Studer (Jurist) und Matthias Frehner (Kunsthistoriker und Direktor) stellten ihre Sicht auf das Werk aus ihrem Bereich differenziert und kontrovers dar. In der Schlussrunde waren sie sich unerwartet aber nuanciert einig, dass das Werk in die Ausstellung gehöre, allerdings in einem Rahmen, der die Sensibilität der Ausstellungsbesucher respektiere. Die abschliessende Plenumsdiskussion unterstützte mehrheitlich die Meinung des Podiums. Direktor Matthias Frehner sagte zur Frage, ob und wie das Werk Ruan wieder in der Ausstellung zu sehen sei, dass dazu die nötigen Abklärungen im Zusammenhang der vom Sammler Uli Sigg geforderten Abklärungen von Museumsleitung und Stiftungsrat über die Sicherheitsrisiken nötig seien. Ein Entscheid ist in den nächsten Tagen zu erwarten. 24/8 Einführungstext zur Podiumsdiskussion von Direktor Matthias Frehner
Die Installation „Ruan“ von Xiao Yu, entstanden 1999, wurde an der 49. Biennale von Venedig 2001 erstmals gezeigt. Im Katalog findet sich eine ganzseitige Abbildung des „fertigen“ Zwitterwesens Ruan. Dessen frühere Entwicklungsstadien werden so gezeigt, als wären sie wissenschaftliche Präparate in einem Naturhistorischen Museum. Das Bild im Katalog gibt nicht die ganze Installation wieder, sondern lediglich das „fertige“ Wesen im sechsten Behälter: Kommentiert ist das Bild: „“Ruan, 1999, Holograph of installation“. Im Katalogtext wird das Werk von Monica Dematté eingehend interpretiert. Sie beschreibt auch die Teile des im letzten Gefäss gezeigten Wesens: „Among the ‘ingredients’ of an exemplar of Ruan, we discover with horror the artist has used a premature foetus’s head, a rabbit, a cat, a rat, an even condoms for eyes“. Gemäss der Erklärung des Künstlers zeigt er in sechs Gefässen, wie sie für wissenschaftliche Präparate benutzt werden, Entwicklungsstadien des Lebewesens „Ruan“. Ruan sei ein säugetierähnliches Wesen, das sich in der Zeit der Dinosaurier entwickelt habe, das aber nicht wie diese ausgestorben sei. Dieses Tier hat der Künstler mythologischen Schilderungen der chinesischen Literatur entnommen, wo es als legendäres Monster, das gute von bösen Menschen unterscheidet und die letzteren zerstört, beschrieben wird. Da das Wesen als wissenschaftliches Präparat – und nicht etwa als Versteinerung – gezeigt wird, ist es so präsent, als wäre es soeben gestorben. Es könnte sich somit auch um ein in heutigen Labors durch Genmanipulation künstlich erzeugtes Geschöpf handeln. Einerseits erinnert das künstliche Präparat an die Kuriositätenkabinette und Wunderkammern der Renaissance und des Barock, andrerseits an Exponate wie sie auch heute noch in naturwissenschaftlichen Museen zu sehen sind. Im Text verweist Monica Dematté deshalb darauf, dass der Künstler bewusst auf diese Traditionen Bezug nimmt, in denen solche Objekte selbst oder ihre künstlichen Abbilder ausgestellt seien. 22/8 Einladung zur Podiumsdiskussion im Kunstmuseum Bern
Das Kunstmuseum Bern lädt am Montag, 22. August um 19h30 zur öffentlichen Debatte über „die Grenzen des Darstellbaren“ ein. Der Auslöser dazu ist die Strafanzeige von Adrien de Riedmatten gegen das Kunstmuseum wegen des Werks „Ruan“ des chinesischen Künstlers Xiao Yu, das in der Ausstellung „Mahjong, Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg“ zu sehen war und nach mehrfachen Drohungen aus Sicherheitsgründen vorübergehend aus der Ausstellung entfernt wurde.
Der Anlass soll die Fragen nach den Grenzen des Darstellbaren stellen und dabei verschiedene Standpunkte aufzeigen. Unter der Moderation von Gabriela Christen, Redaktorin, Schweizer Radio DRS2 werden folgende Persönlichkeiten ihre Sichtweise darlegen und zur Diskussion stellen:
Podiumsdiskussion „ Die Grenzen des Darstellbaren“ im Kunstmuseum Bern, Hodlerstrasse 8-12 am Montag 22. August 2005, um 19h30 Karte Der Anlass ist öffentlich und gratis. Die Türöffnung findet um 19h statt, die Podiumsdiskussion um 19h30 bis ca. 21h30. | ||||||||||