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<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de"><title>Die Grenzen des Darstellbaren</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.freiheitderkunst.ch/"/><link rel="self" type="application/atom+xml" href="http://www.freiheitderkunst.ch/atom/"/><updated>2005-10-12T16:32:00Z</updated><id>http://www.freiheitderkunst.ch/</id><subtitle>Kunst und Freiheit? Ansichten und Diskussionen</subtitle><generator>http://www.kaywa.com/?v=1.0</generator><rights>Copyright by KAYWA AG - Services for the mobile Internet</rights><entry><title>Performance Zhao Bandi, 15. Oktober, 19h30, Bundesplatz</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.freiheitderkunst.ch/presse/performance-zhao-bandi-15-oktober-19h30-bundesplatz.html"/><id>http://www.freiheitderkunst.ch/presse/performance-zhao-bandi-15-oktober-19h30-bundesplatz.html</id><published>2005-10-12T16:32:00Z</published><updated>2005-10-12T16:32:00Z</updated><summary>

Ablauf der Performance
TOO IMPATIENT TO WAIT
The 2008 Olympic Games in Beijing will open already on October 15, 2005 in...</summary><author><name>Redaktion</name></author><contributor><name>Redaktion</name></contributor><content type="xhtml" xml:lang="de"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><a xmlns="" href="http://www.freiheitderkunst.ch/files/images/2005/10/mob22_1129134995.jpg"><img src="http://www.freiheitderkunst.ch/files/images/2005/10/480/mob22_1129134995.jpg" alt="BANDI" border="0"/></a><br xmlns=""/>
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Ablauf der Performance<br xmlns=""/>
<b xmlns="">TOO IMPATIENT TO WAIT</b><br xmlns=""/>
The 2008 Olympic Games in Beijing will open already on October 15, 2005 in Bern, Switzerland.<br xmlns=""/>
Datum: 15. Oktober 2005<br xmlns=""/>
Ort: Bundesplatz &#x2013; Kramgasse &#x2013; Marktgasse &#x2013; Gerechtigkeitsgasse &#x2013;<br xmlns=""/>
Nydeggbr&#xFC;cke &#x2013; Aargauerstalden &#x2013; Stade-de-Suisse.<br xmlns=""/>
<br xmlns=""/>
Beginn: 19h30 Bundesplatz<br xmlns=""/>
19h15 Stade-de-Suisse<br xmlns=""/>
Ende: 20h30 Stade-de-Suisse<br xmlns=""/>
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Anmelden: Kunstmuseum Bern, Hodlerstrasse 8-12, 3000 Bern 031 328 09 44<br xmlns=""/>
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<a xmlns="" href="http://www.freiheitderkunst.ch/files/051010_PRESSCOMM_ZhaoBandi.pdf">Pressemitteilung (PDF)</a><img width="80" height="60" border="0" src="http://www.freiheitderkunst.ch/files/images/2005/10/80/mob22_1129134995.jpg"/></div></content></entry><entry><title>Pressekonferenz Performance Zhao Bandi</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.freiheitderkunst.ch/presse/pressekonferenz-performance-zhao-bandi.html"/><id>http://www.freiheitderkunst.ch/presse/pressekonferenz-performance-zhao-bandi.html</id><published>2005-10-04T14:24:00Z</published><updated>2005-10-04T14:24:00Z</updated><summary>TOO IMPATIENT TO WAIT
The 2008 Olympic Games in Beijing will open already on October 15, 2005 in Bern


Photo: Zhao Bandi...</summary><author><name>Redaktion</name></author><contributor><name>Redaktion</name></contributor><content type="xhtml" xml:lang="de"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><b xmlns="">TOO IMPATIENT TO WAIT</b><br xmlns=""/>
The 2008 Olympic Games in Beijing will open already on October 15, 2005 in Bern<br xmlns=""/>
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<img xmlns="" src="http://www.freiheitderkunst.ch/files/images/2005/10/480/mob21_1128436170.jpg"/><br xmlns=""/>
<i xmlns="">Photo: Zhao Bandi unterwegs mit den Olympischen Feuer</i><br xmlns=""/>
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in Anwesenheit des K&#xFC;nstlers Zhao Bandi und seines Assistenten Fang Fang<br xmlns=""/>
Pr&#xE4;sentation der Performance: Botschaft, Ablauf, Mitwirkende, insbesondere Rolle der Volont&#xE4;re, Dokumentation<br xmlns=""/>
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Datum: Mittwoch, 12. Oktober 2005, 11h<br xmlns=""/>
Ort: Waisenhausplatz alias "Tiananmen-Platz" (vis-&#xE0;-vis Meret Oppenheim-Brunnen)<br xmlns=""/>
Parking: Metro<br xmlns=""/>
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<a xmlns="" href="http://www.freiheitderkunst.ch/files/Flyer_def.pdf">Flyer zur Performance und K&#xFC;nstler (PDF)</a><br xmlns=""/>
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Die Pressemitteilung erhalten Sie am Montag, 10. Oktober 2005 - wir sind Ihnen f&#xFC;r eine Anmeldung sehr verbunden.<br xmlns=""/>
Weitere Informationen erhalten Sie von Betty Stocker, 031 328 09 44.<img width="80" height="60" border="0" src="http://www.freiheitderkunst.ch/files/images/2005/10/80/mob21_1128436170.jpg"/></div></content></entry><entry><title>Entscheid betreffend Anzeige gegen das Kunstmuseum Bern</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.freiheitderkunst.ch/presse/entscheid-betreffend-anzeige-gegen-das-kunstmuseum-bern.html"/><id>http://www.freiheitderkunst.ch/presse/entscheid-betreffend-anzeige-gegen-das-kunstmuseum-bern.html</id><published>2005-09-27T14:10:00Z</published><updated>2005-09-27T14:10:00Z</updated><summary>Stellungnahme des Kunstmuseums Bern

Die Gesch&#xE4;ftsleitung und der Stiftungsrat des Kunstmuseums Bern nehmen mit...</summary><author><name>Redaktion</name></author><contributor><name>Redaktion</name></contributor><content type="xhtml" xml:lang="de"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><b xmlns="">Stellungnahme des Kunstmuseums Bern</b><br xmlns=""/>
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Die Gesch&#xE4;ftsleitung und der Stiftungsrat des Kunstmuseums Bern nehmen mit Genugtuung Kenntnis vom Entscheid des Untersuchungsrichteramtes III und der Staatsanwaltschaft III Bern-Mittelland bez&#xFC;glich der Strafanzeige von Herrn de Riedmatten. Die Strafverfolgungsbeh&#xF6;rde ist auf die Anzeige wegen Gewaltdarstellung, St&#xF6;rung des Totenfriedens und Verstosses gegen das Tierschutzgesetz des Kunstwerks &#x201E;Ruan&#x201C; in der Ausstellung Mahjong nicht eingetreten, da in allen Tatbest&#xE4;nden keine strafbaren Handlungen begangen worden sind.<br xmlns=""/>
Verfahrensrechtlich besteht kein direkter Zusammenhang mit der vom Kunstmuseum erstatteten Anzeige wegen &#xFC;bler Nachrede gegen Herrn de Riedmatten.<br xmlns=""/>
<br xmlns=""/>
Ausz&#xFC;ge aus der Begr&#xFC;ndung:<br xmlns=""/>
<blockquote xmlns="">Zu Gewaltdarstellung (Art. 135 StGB):<br/>
&#x201E;Nicht tatbestandsm&#xE4;ssig sind Gewaltdarstellungen mit einem schutzw&#xFC;rdigen kulturellen oder wissenschaftlichen Wert. Eines kulturellen Wertes entbehren Darstellungen, die sich im wesentlichen darin ersch&#xF6;pfen, Grausamkeiten bloss zur Unterhaltung oder Belustigung darzubieten. Dokumentarische oder k&#xFC;nstlerische Werke hingegen f&#xFC;hren Grausamkeiten vor Augen, um die Folgen individueller oder kollektiver Gewalt exemplarisch zu illustrieren und das kritische Bewusstsein f&#xFC;r deren Verwerflichkeit zu wecken oder zu sch&#xE4;rfen. Entscheidend ist die k&#xFC;nstlerische Intention, nicht die k&#xFC;nstlerische Qualit&#xE4;t. Die Beurteilung muss nach den Kriterien der Fachwelt erfolgen, nicht nach der Wirkung auf Laien.&#x201C;<br/>
&#x201E;Das Werk wurde im Jahre 2001 an einer der renommiertesten Veranstaltungen f&#xFC;r zeitgen&#xF6;ssische Kunst, der Biennale in Venedig, gezeigt und ist zur Zeit im Kunstmuseum Bern ausgestellt. Unter diesen Umst&#xE4;nden kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um eine Darstellung handelt, welche klarerweise keinen k&#xFC;nstlerischen Wert hat, und nur solche sind nach der Intention des Gesetzgebers tatbestandsm&#xE4;ssig.&#x201C;<br/>
<br/>
Zu Tierqu&#xE4;lerei:<br/>
&#x201E;Jegliche Handlungen, welche zum Tod der M&#xF6;we gef&#xFC;hrt haben, sind in China begangen worden und unterliegen deshalb nicht der Gerichtsbarkeit der Schweizerischen Strafjustiz.&#x201C;<br/>
<br/>
Zu St&#xF6;rung des Totenfriedens:<br/>
&#x201E;Das Abtennen des Kopfes des F&#xF6;tus (&#x2026;) und das Ann&#xE4;hen des Kopfes an den Hinterteil der M&#xF6;we (&#x2026;) sind in China begangen worden und fallen somit nicht in die Zust&#xE4;ndigkeit der Schweizerischen Strafjustiz.<br/>
Eine Bestrafung des Sammlers oder der Verantwortlichen des Kunstmuseums wegen Gehilfenschaft oder Anstiftung zu m&#xF6;glicherweise tatbestandsm&#xE4;ssigen Handlungen des K&#xFC;nstlers f&#xE4;llt deshalb ausser Betracht, weil es sich bei der Installation &#x201E;Ruan&#x201C; nicht um ein Auftragswerk handelt, sondern diese erst nach Fertigstellung erworben, bzw. ausgestellt wurde.&#x201C;<br/>
<br/>
&#x201E;Das Ausstellen von &#x201E;Ruan&#x201C; stellt keine Beschimpfung dar. Die Beschimpfung m&#xFC;sste sich nach der Intention des T&#xE4;ters gegen eine bestimmte Person richten und dieser gegen&#xFC;ber Missachtung ausdr&#xFC;cken. Durch das Ausstellen der Installation wird keine negative Wert&#xE4;usserung &#xFC;ber die Person des F&#xF6;tus vorgenommen und somit auch dessen Piet&#xE4;tsgef&#xFC;hl nicht verletzt. Die Verletzung m&#xF6;glicher Piet&#xE4;tsgef&#xFC;hle von Besuchern der Ausstellung gen&#xFC;gt f&#xFC;r die Erf&#xFC;llung der Tatbest&#xE4;nde (&#x2026;) nicht.&#x201C;</blockquote>
<a xmlns="" href="http://www.freiheitderkunst.ch/files/050927_Presscomm_strafanzeig_1.pdf">Pressemitteilung als PDF</a></div></content></entry><entry><title>Sternstunde: China jetzt - Chinas Gegenwartskunst und ihr Schweizer Sammler</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.freiheitderkunst.ch/presse/sternstunde-china-jetzt---chinas-gegenwartskunst-und-ihr-schweizer-sammler.html"/><id>http://www.freiheitderkunst.ch/presse/sternstunde-china-jetzt---chinas-gegenwartskunst-und-ihr-schweizer-sammler.html</id><published>2005-09-16T17:18:00Z</published><updated>2005-09-16T17:18:00Z</updated><summary>SF1 "Sternstunde" - Sonntag, 18. September 2005, 12h
3sat - Dienstag, 1. November 2005, 17h50

China jetzt - Chinas...</summary><author><name>Redaktion</name></author><contributor><name>Redaktion</name></contributor><content type="xhtml" xml:lang="de"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">SF1 "Sternstunde" - Sonntag, 18. September 2005, 12h<br xmlns=""/>
3sat - Dienstag, 1. November 2005, 17h50<br xmlns=""/>
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<b xmlns="">China jetzt - Chinas Gegenwartskunst und ihr Schweizer Sammler</b><br xmlns=""/>
Eine Reise durch die Kunstszene von Peking mit dem Unternehmer und Kunstsammler Uli Sigg.<br xmlns=""/>
Ein Blick - &#xFC;ber die Kunst - auf eine Gesellschaft im Umbruch.<br xmlns=""/>
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Film von Beat H&#xE4;ner<br xmlns=""/>
Kamera: Andrea Cavazutti<br xmlns=""/>
Schnitt: Heidi Hiltebrand<br xmlns=""/>
Redaktion: Marco Meier, Marion Bornschier<br xmlns=""/>
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***<br xmlns=""/>
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Im Kunstmuseum: Sonntag, 18. September, 11h - 17h<br xmlns=""/>
Mahjong-Spieltag<br xmlns=""/>
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Das DracheN&#xE4;scht Team aus Bern gibt zu jeder vollen Stunde eine Einleitung in das chinesische Brettspiel Mah-Jongg. Es hat, bis auf die verwendeten Symbole und Motive, nichts mit dem heutzutage bekannten gleichnamigen Computerspiel zu tun, in dem es darum geht, eine Pyramide aus Spielziegeln paarweise abzutragen. Das "richtige", traditionelle Mah-Jongg wird von vier Spielern mit Spielziegeln aus Bambus/Bein oder Kunststoff an einem - vorzugsweise runden oder quadratischen - Tisch gespielt.<br xmlns=""/>
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Mah-Jongg geh&#xF6;rt zur asiatischen, insbesondere chinesischen Alltagskultur wie Essst&#xE4;bchen und Reis. Den Chinesen wird nachgesagt, egal, was sie vorh&#xE4;tten, es verfl&#xFC;chtige sich, sobald sie etwas von Mah-Jongg h&#xF6;rten &#x2013; dann setzten sie sich eilends hin, um zu spielen. Mah-Jongg ist sch&#xF6;n anzuschauen, die Spielsteine sind angenehm anzufassen, die Regeln relativ leicht zu erlernen. Der Spielverlauf ist spannend und abwechslungsreich, das Verh&#xE4;ltnis von Spieltaktik und Gl&#xFC;ck ausgewogen &#x2013; kurz, es macht einfach gro&#xDF;en Spa&#xDF;!</div></content></entry><entry><title>Warnung: Ruan by Xiao Yu</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.freiheitderkunst.ch/debat-public/warnung-ruan-by-xiao-yu.html"/><id>http://www.freiheitderkunst.ch/debat-public/warnung-ruan-by-xiao-yu.html</id><published>2005-09-08T17:59:00Z</published><updated>2005-09-08T17:59:00Z</updated><summary>WARNUNG
Das Werk Ruan von Xiao Yu besteht aus sechs Glasgef&#xE4;ssen mit in Formaldehyd eingelegten Kadavern von Kleintieren....</summary><author><name>Redaktion</name></author><contributor><name>Redaktion</name></contributor><content type="xhtml" xml:lang="de"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><a xmlns="" href="http://www.freiheitderkunst.ch/files/images/2005/9/mob20_1126202543.jpg"><img src="http://www.freiheitderkunst.ch/files/images/2005/9/480/mob20_1126202543.jpg" alt="RUAN by Dominque Uldry" border="0"/></a><br xmlns=""/>
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<i xmlns="">RUAN, Foto: Dominique Uldry</i><br xmlns=""/><img width="80" height="60" border="0" src="http://www.freiheitderkunst.ch/files/images/2005/9/80/mob20_1126202543.jpg"/></div></content></entry><entry><title>Transkript der Podiumsdiskussion vom 22.8</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.freiheitderkunst.ch/allgemein/transkript-der-prodiumsdiskussion.html"/><id>http://www.freiheitderkunst.ch/allgemein/transkript-der-prodiumsdiskussion.html</id><published>2005-09-08T17:52:00Z</published><updated>2005-09-08T17:52:00Z</updated><summary>Transkript Diskussion (Word-Dokument)


</summary><author><name>Redaktion</name></author><contributor><name>Redaktion</name></contributor><content type="xhtml" xml:lang="de"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">Matthias Frehner:<br xmlns=""/>
Sehr geehrte Damen und Herren, danke, dass Sie unserer Einladung zum heutigen Symposion so zahlreich folge geleistet haben. Danke den Diskussionsteilnehmer und &#x2013;teilnehmerinnen, dass sie mit ihrem Gespr&#xE4;ch zur Kl&#xE4;rung eines Problems beitragen, f&#xFC;r dessen L&#xF6;sung es keine verbindlichen Richtlinien gibt. In unserer Ausstellung &#x201E;Majong &#x2013; Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg&#x201C; befindet sich das installative Kunstwerk &#x201E;Ruan&#x201C; des K&#xFC;nstlers Xiao Yu. Das Werk wurde von Harald Szeemann 2001 an der 49. Biennale in Venedig als zentraler Beitrag zum Thema Genmanipulation gezeigt. Viele Kunstwerke spielen mit der Wahrnehmung ihrer Betrachter. Ist das Dargestellte eine Imitation oder ist es tats&#xE4;chlich real? Diese Frage besch&#xE4;ftigt die Kunsttheorie seit der Antike. Wenn sich etwas, das real aussieht, als ein Imitat des K&#xFC;nstlers herausstellt, reagiert das Publikum damals wie heute mit Erstaunen und Bewunderung. An der Biennale 2001 gab es andere hyperrealistische Kunstwerke, beispielsweise ein Wachsbaby des Australiers Ron Mueck, das genau so funktionierte. Yus Werk &#xFC;berschreitet das bisher &#xFC;bliche. Er zeigt ein s&#xE4;ugetier&#xE4;hnliches Zwitterwesen in verschiedenen Entwicklungsstadien vom Ei bis zur Geburt. &#x201E;Ruan&#x201C;, so der Titel des Werks, ist ein legend&#xE4;res Wesen aus der chinesischen Literatur. Der K&#xFC;nstler vergegenw&#xE4;rtigt es nicht als pr&#xE4;historische Versteinerung, sondern wie in einem naturhistorischen Museum als Pr&#xE4;parat in einem Glasbeh&#xE4;lter. Das vermeidlich Echte an einem hyperrealistischen Kunstwerk ruft Schauer und Entsetzen hervor. Wenn wir uns besinnen, wird uns aber stets klar, dass das Geschaute etwas aus der Realit&#xE4;t zeigt, selber aber nicht real ist. Es ist so m&#xF6;glich, Distanz zu gewinnen, zu reflektieren oder das Geschaute einfach als Fantasieprodukt bei Seite zu schieben. Ist das Reale aber tats&#xE4;chlich real, wie ich in diesem Fall erst seit kurzem weiss, wird auch der Mechanismus der Katharsis unm&#xF6;glich, der Schrecken l&#xF6;st sich nicht auf. Wie mit einem Kunstwerk umgehen, das das Schreckliche nicht bloss abbildet, sondern als tats&#xE4;chliche Realit&#xE4;t zur Diskussion stellt? Wie andererseits einer Klage begegnen, die Kunst in gut und schlecht kategorisieren will, um das vermeintlich Negative aus der &#xF6;ffentlichen Diskussion auszuschliessen? Ist es legitim, Kunst per Gerichtsurteil zu verbieten, zu zerst&#xF6;ren? Kann Kunst ungeschehen gemacht werden? Nur eine Frage m&#xF6;chte ich gleich jetzt beantworten: Herr De Riedmatten hat beim Untersuchungsrichteramt Bern Mittelland Klage in verschiedenen Punkten gegen das Museum erhoben, wie er sicher selber gleich erl&#xE4;utern wird. Wir haben da selbst eine Gegenklage wegen &#xFC;bler Nachrede eingereicht. Heute hat mich unser Anwalt wissen lassen, dass der zust&#xE4;ndige Untersuchungsrichter auf die beantragte Einziehung, so der juristische Begriff, des Kunstwerkes nicht eingetreten ist. Es bleibt also im Ermessen des Kunstmuseums, ob und wie das Werk, das wir aus Sicherheitsgr&#xFC;nden vorl&#xE4;ufig entfernt haben, wieder ausgestellt werden wird. Frau Dr. Gabriela Christen, Kulturredaktorin beim Schweizer Radio DRS, moderiert das nachfolgende Symposion, ich danke ihr sehr herzlich. Ich m&#xF6;chte Sie noch bitten, Handys auszuschalten. Und selbstverst&#xE4;ndlich ist dieser leere Saal hier nicht auch leerger&#xE4;umt aus irgendwelchen Klageszenarien, sondern einfach weil wir dem grossen Andrang, den wir richtig eingesch&#xE4;tzt haben, Rechnung tragen und die Kunstwerke nicht einer Besch&#xE4;digung aussetzen wollten. Also die Ausstellung ist nat&#xFC;rlich ge&#xF6;ffnet und morgen h&#xE4;ngen hier auch wieder die Kunstwerke, die normalerweise zu sehen sind.<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen:<br xmlns=""/>
Guten Abend. Ich werde Sie also, wie Matthias Frehner gesagt hat, heute Abend als Moderatorin durch dieses Podium begleiten. Und ich m&#xF6;chte Ihnen gleich zu Eingang sagen, worauf Sie sich gefasst machen k&#xF6;nnen, was Sie zu erwarten haben von diesem Abend. Es wird zwei Teile geben: Im ersten Teil werden Sie zwei Statements h&#xF6;ren. Das eine Statement wird Adrien de Riedmatten machen, der Kl&#xE4;ger gegen das Kunstmuseum, der uns darlegen wird, aus welchen Gr&#xFC;nden er diese Klage erhoben hat und was seine Punkte der Anklage sind. Das zweite Statement, das Sie dann h&#xF6;ren werden, ist von Bernhard Fibicher, dem Kurator der Ausstellung, und er wird Ihnen zeigen, dass dieses Kunstwerk &#x201E;Ruan&#x201C; schon seine Vorl&#xE4;ufer in der Kunstgeschichte hat. Der zweite Teil des Abends wird dann das Podium mit meinen sieben G&#xE4;sten sein, wo wir uns dar&#xFC;ber unterhalten, diskutieren und hoffentlich auch streiten werden, wo die Grenzen des Darstellbaren -und ich m&#xF6;chte vielleicht noch erg&#xE4;nzen, wo die Grenzen des Ausstellbaren- sind. Nach diesem Podium werden wir Sie in die Auseinandersetzung, diese Debatte mit einbeziehen und werden Ihnen Gelegenheit geben, Ihre Fragen oder Statements zu diesem Kunstskandal oder zu dieser Debatte zu geben. Wir wissen, dass es auch eine sehr emotionale Debatte ist, dieses Kunstwerk l&#xF6;st viele Emotionen aus. Wir m&#xF6;chten Sie aber trotzdem bitten, bis zu diesem Zeitpunkt, wo wir mit Ihnen als Publikum gerne diskutieren m&#xF6;chten, uns auf dem Podium auch zuzuh&#xF6;ren und nachher mit uns zu sprechen. Diese ganze Veranstaltung wird ungef&#xE4;hr zwei Stunden dauern, wir werden versuchen, uns an diese Zeit zu halten. Aber jetzt gebe ich das Wort zuerst an Adrien de Riedmatten.<br xmlns=""/>
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Statement I:<br xmlns=""/>
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Adrien de Riedmatten:<br xmlns=""/>
Alors bonsoir. Malheureusement je parle assez mal l&#x2019;allemand, donc je dois m&#x2019;exprimer en fran&#xE7;ais. J&#x2019;esp&#xE8;re que &#xE7;a ira pour tout le monde. Je vais essayer de parler assez lentement. On m&#x2019;a demand&#xE9; d&#x2019;&#xEA;tre tr&#xE8;s bref. Alors voil&#xE0;, je remercie d&#x2019;abord le mus&#xE9;e de m&#x2019;avoir invit&#xE9; &#xE0; m&#x2019;exprimer sur cette question. Donc effectivement, j&#x2019;ai pos&#xE9; une question tr&#xE8;s t&#xF4;t, au d&#xE9;but du mois d&#x2019;ao&#xFB;t, sur la mati&#xE8;re de l&#x2019;art. Et je crois que d&#xE8;s le d&#xE9;part, il y a un petit quiproco entre les autorit&#xE9;s du mus&#xE9;e et moi-m&#xEA;me. Je crois que nous allons discuter un peu des limites de l&#x2019;art, et il faudrait peut-&#xEA;tre arriver &#xE0; distinguer finalement que l&#x2019;art comporte, &#xE0; l&#x2019;instar de l&#x2019;&#xEA;tre humain, une dimension spirituelle et une dimension physique. Et ma question vraiment ne porte que sur les limites physiques. Parce que je reste convaincu que, de m&#xEA;me que l&#x2019;homme, on n&#x2019;est limit&#xE9; que par ce qui est concret, par ce qui est de l&#x2019;ordre du corps. Finalement, il y a peu de choses qui peuvent limiter l&#x2019;esprit humain. Par contre, son corps limite assez souvent l&#x2019;homme. Alors, mes questions &#xE9;taient des questions relativement concr&#xE8;tes sur la nature et l&#x2019;origine de ce f&#x153;tus, ou de ce pr&#xE9;matur&#xE9;, que sais-je. Des questions auxquelles malheureusement on n&#x2019;a pas pu me r&#xE9;pondre toute de suite &#x2013; c&#x2019;est un peu &#xE7;a d&#x2019;ailleurs qui m&#x2019;a choqu&#xE9;. J&#x2019;esp&#xE8;re que ce soir on va pouvoir y r&#xE9;pondre. Malheureusement, je m&#x2019;aper&#xE7;ois que pour r&#xE9;pondre &#xE0; des questions extr&#xEA;mement concr&#xE8;tes, on n&#x2019;a invit&#xE9; que des sp&#xE9;cialistes de questions d&#x2019;ordre spirituel : des th&#xE9;ologiens, des philosophes, dont je ne conteste absolument pas la valeur ou les capacit&#xE9;s. Mais je m&#x2019;aper&#xE7;ois que finalement l&#x2019;angle d&#x2019;attaque, si je puis dire, que j&#x2019;ai opt&#xE9;, donc le fait de se concentrer non pas sur l&#x2019;art en tant que tel, mais sur la mati&#xE8;re de l&#x2019;art, n&#x2019;a pas &#xE9;t&#xE9; pris en consid&#xE9;ration. &#xC7;a c&#x2019;est une chose. Maintenant, je suis tout a fait dispos&#xE9; &#xE0; me battre pour la libert&#xE9; de l&#x2019;art. Je pense que c&#x2019;est une chose absolument essentielle pour notre soci&#xE9;t&#xE9;. N&#xE9;anmoins, toute libert&#xE9;, toute grande libert&#xE9; engage de grandes valeurs. Et je pense que le mus&#xE9;e en est parfaitement conscient. Et je pense qu&#x2019;&#xE0; la question quelles sont les limites de l&#x2019;art, le mus&#xE9;e a d&#xE9;j&#xE0; r&#xE9;pondu, parce qu&#x2019;il y a effectivement des &#x153;uvres de cet artiste chinois Xiao Yu qui font tout &#xE0; fait partie de l&#x2019;art contemporain chinois et qu&#x2019;on n&#x2019;a pas expos&#xE9;es ici, notamment celle qui est mentionn&#xE9;e dans le catalogue et qui parle de souris vivantes cousues l&#x2019;une &#xE0; l&#x2019;autre. Donc je pense que &#xE7;a fait partie des choses que la libert&#xE9; de l&#x2019;art ne peut pas couvrir. On parle beaucoup en Suisse romande de ce zoophile qui pers&#xE9;cute des animaux. Comment va-t-on r&#xE9;agir, si une fois que la police aura mis la main sur ce monsieur, il commence &#xE0; revendiquer la libert&#xE9; de l&#x2019;art. Non, je pense simplement finalement que la libert&#xE9; de l&#x2019;art existe, que dans ses dimensions spirituelles la libert&#xE9; de l&#x2019;art ne peut &#xEA;tre ni contrainte, ni censur&#xE9;e, ni m&#xEA;me diminu&#xE9;e. Mais dans ses dimensions mat&#xE9;rielles, il revient &#xE0; l&#x2019;artiste et au monde de la culture en g&#xE9;n&#xE9;ral de savoir d&#xE9;terminer, non pas une censure, mais des garde-fous. Je ne parle pas de censure, je parle de prudence et je parle de pr&#xE9;vention. Je crois que le Kunstmuseum appartient plus ou moins &#xE0;, ou est du moins sous l&#x2019;autorit&#xE9; de l&#x2019;instruction publique du canton de Berne. Et il est quand m&#xEA;me un petit peu choquant &#x2013; enfin moi-m&#xEA;me, &#xE7;a me choque &#x2013; de voir que finalement dans l&#x2019;aspect de l&#x2019;instruction publique, on laisse les enfants voir peut-&#xEA;tre un petit peu trop de choses. Est-ce que c&#x2019;est faire de la censure que de finalement pr&#xE9;venir ou avertir. On le fait &#xE0; la t&#xE9;l&#xE9;vision, on le fait au cin&#xE9;ma, on le fait au th&#xE9;&#xE2;tre, mais pourquoi ne le ferait-on pas dans les mus&#xE9;es. On sait que des enfants sont partis de cette exposition en larmes, est-ce que c&#x2019;est vraiment &#xE7;a le but ? On veut choquer, tr&#xE8;s bien, je suis parfaitement d&#x2019;accord. Mais dans la mesure o&#xF9; le public est choqu&#xE9;, qu&#x2019;il r&#xE9;agit, tout d&#x2019;un coup on s&#x2019;offusque qu&#x2019;il soit choqu&#xE9;. Moi, j&#x2019;ai &#xE9;t&#xE9; choqu&#xE9; et j&#x2019;ai r&#xE9;agi. Je pense avoir bien fait. J&#x2019;ai pos&#xE9; des questions, auxquelles on n&#x2019;a toujours pas de r&#xE9;ponses. Donc finalement, &#xE7;a prouve d&#x2019;une certaine mani&#xE8;re qu&#x2019;elles &#xE9;taient bonnes. Voil&#xE0;, je n&#x2019;ai pas voulu faire une affaire n&#xE9;gative, je n&#x2019;ai pas voulu me mettre les gens &#xE0; dos, je n&#x2019;ai pas voulu faire du populisme gratuit. Et je crois qu&#x2019;au contraire si apr&#xE8;s cette discussion &#x2013; d&#x2019;ailleurs, je me f&#xE9;licite quelque part d&#x2019;&#xEA;tre un peu &#xE0; l&#x2019;origine de cette discussion &#x2013; si apr&#xE8;s cette discussion le monde de la culture arrive de fa&#xE7;on raisonnable &#xE0; s&#x2019;imposer un certain nombre de limites, de garde-fous de type pr&#xE9;ventif, on coupera l&#x2019;herbe sous les pieds de certains politiciens qui voudraient refaire le coup de l&#x2019;exposition Hirschhorn. Je pense que c&#x2019;est &#xE7;a qui est important. Donc c&#x2019;est une responsabilit&#xE9;, il ne faut pas l&#x2019;&#xE9;vacuer, il faut, je crois, s&#x2019;en saisir et respecter un certain nombre de valeurs. C&#x2019;est tout, merci.<br xmlns=""/>
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Statement II :<br xmlns=""/>
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Bernard Fibicher :<br xmlns=""/>
Juste une petite pr&#xE9;cision pour commencer : le Mus&#xE9;e des Beaux-Arts ne d&#xE9;pend pas de l&#x2019;instruction publique, c&#x2019;est une fondation. En partie, les cr&#xE9;dits viennent du canton de Berne.<br xmlns=""/>
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Sehr geehrte Damen und Herren, in naturwissenschaftlichen &#x2013;und anthropologischen Sammlungen in der Schweiz unter anderem in Basel, Lenzburg, Genf, Chur, Winterthur sind Mumien aus Aegypten ausgestellt. Die Winterthurer Mumie wurde um 1860 vom Kaufmann Walter Rudolf Koller bei einer Gesch&#xE4;ftsreise in Aegypten erworben und 1866 der Stadt Winterthur geschenkt. Sie liegt heute in einem Glassarg im &#xF6;ffentlichen Teil der Sammlung des historischen Museums Winterthur. Ein fester Bestandteil der christlichen Ikonographie besteht aus M&#xE4;rtyrerszenen mit grauenvollen Darstellungen von abgetrennten K&#xF6;pfen, abgeschnittenen Br&#xFC;sten und herausgestochenen Augen. Hier &#x201E;David und Goliath&#x201C; von Caravaggio und &#x201E;Judit und Holophernes&#x201C; von Lukas Cranach. Das S&#xFC;dtiroler Arch&#xE4;ologiemuseum in Bozen stellt seit 1998 eine im &#xD6;tztal gefundene Eisleiche aus, die Mumie stellt die Hauptattraktion des Museums dar. Im ethnographischen Museum Neuenburg sind zurzeit Schrumpfk&#xF6;pfe und menschliche Sch&#xE4;del ausgestellt, die als Musik und Rhythmusinstrumente ben&#xFC;tzt wurden. Beinh&#xE4;user in der ganzen westlichen Welt vom hohen Norden &#xFC;ber Naters im Wallis bis nach S&#xFC;damerika pr&#xE4;sentieren &#xF6;ffentlich tausende von menschlichen Gebeinen, die zuweilen, wie hier im tschechischen Sedle&#x10D; zu Gebrauchsgegenst&#xE4;nden wie Kronleuchtern zusammengef&#xFC;gt werden. Eines der bekanntesten Werke des mexikanischen K&#xFC;nstlers Gabriel Orozco, es war unter anderem anl&#xE4;sslich der Dokumenta X im Jahr 1997 in Kassel zu sehen, besteht aus einem mit Rautenmustern bemalten menschlichen Sch&#xE4;del. Der amerikanische K&#xFC;nstler Andres Serrano hat im Jahr 1992 die Fotoserie &#x201E;The morgue&#x201C; ver&#xF6;ffentlicht. Serrano bekam nach wiederholt fehlgeschlagenen Versuchen von einem Gerichtsmediziner die Erlaubnis, in einem Leichenschauhaus die K&#xF6;rper von auf brutale Weise verstorbenen Personen zu fotografieren. Die angeh&#xF6;rigen der Toten hatten keine Kenntnis davon, daher musste Serrano die Leichen verh&#xFC;llt, ohne das ihre Identit&#xE4;t zu erkennen war, darstellen. Im Werk &#x201E;In tierro&#x201C; aus dem Jahr 1999 hat die mexikanische K&#xFC;nstlerin Teresa Margolles den Leichnam eines totgeborenen Kindes in einen Betonblock eingegossen. Sie gab ihm somit mit der Zustimmung der Mutter, die sich kein Begr&#xE4;bnis leisten konnte, ein massives aber bewegliches Grab, ein Ausstellungsobjekt. Der Betonblock mit dem unsichtbaren, aber real vorhandenen F&#xF6;tus wurde unter anderem 2003 im Museum f&#xFC;r Moderne Kunst in Frankfurt ausgestellt. Die Liste dieser Bilder, und ich sage ganz bewusst Bilder, ist offen. Sie soll als unkommentierte Liste dastehen.<br xmlns=""/>
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Podiumsgespr&#xE4;ch:<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen:<br xmlns=""/>
Vielen Dank f&#xFC;r die beiden Statements, Andrien de Riedmatten und Bernhard Fibicher. Ich darf jetzt meine G&#xE4;ste bitten, auf das Podium zu kommen, damit wir mit der Podiumsdiskussion beginnen k&#xF6;nnen, in der wir sicher auch Gelegenheit finden werden, auf diese vorg&#xE4;ngigen Statements zur&#xFC;ckzukommen.<br xmlns=""/>
Ich darf jetzt meine G&#xE4;ste hier begr&#xFC;ssen: Beat Sitter, Ursula Pia Jauch, Peter Studer, Andrea Riemenschnitter, Irene Neubauer, Matthias Frehner und Miriam Cahn. Ich werde sie Ihnen jetzt im Verlauf einer ersten Runde vorstellen, in der ich alle hinsichtlich ihres spezifischen Standpunktes oder ihrer Rolle, die sie hier in dieser Debatte haben, befragen m&#xF6;chte. Das ganze Gespr&#xE4;ch wird sich dann, wie gesagt, um die Kernthemen dieser Kontroverse drehen. Dies w&#xE4;hrend der n&#xE4;chsten guten Stunde, so denke ich, w&#xE4;hrend der wir jetzt Zeit haben. Wie gesagt, stellt sich die Frage des Darstellbaren und die Frage der kulturellen Differenz, die immer wieder aufgekommen sind in diesem Zusammenhang. Ebenfalls die Fragen nach Ethik, Recht, Geschmack, die Freiheit der Kunst und nicht zuletzt vielleicht auch die Rolle der Medien.<br xmlns=""/>
Ich m&#xF6;chte zuerst Matthias Frehner als Hausherrn hier, als Direktor des Kunstmuseums Bern, fragen: Sie haben zusammen mit ihrem Kuratoren diese Ausstellung &#x201E;Majong&#x201C; zusammengestellt. Aus den so viel ich weiss etwa 1500 Objekten, die die Sammlung von Uli Sigg umfasst, haben Sie 300 Werke ausgew&#xE4;hlt, unter denen sich dieses Werk &#x201E;Ruan&#x201C; des chinesischen K&#xFC;nstlers Xiao Yu befindet. Ich m&#xF6;chte gerne zuerst von Ihnen wissen, was der Grund war, dieses Werk f&#xFC;r die Ausstellung auszuw&#xE4;hlen und gleichzeitig auch, was Sie dann dazu bewogen hat, dieses Werk wieder aus der Ausstellung zur&#xFC;ckzuziehen?<br xmlns=""/>
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Matthias Frehner:<br xmlns=""/>
Wir haben dieses Werk, Bernhard Fibicher und ich, gemeinsam ausgew&#xE4;hlt, weil wir es als sehr wichtig erachten. &#x201E;Ruan&#x201C; ist gem&#xE4;ss kunsthistorischen Kategorien ein innovatives Werk, in dieser speziellen Sprache hat kein K&#xFC;nstler vor ihm bisher Stellung zur k&#xFC;nstlichen Ver&#xE4;nderung der Erbsubstanz genommen. Das war mein Eindruck 2001, als ich das Werk zum ersten Mal an der Biennale gesehen habe. Diese Arbeit stellt wirklich existentielle Fragen, die nichts von ihrer Brisanz verloren haben. Sie ist meilenweit von Gunter von Hagens Leicheninszenierungen entfernt, die es vor allem auf Sensationslust abgesehen haben. Aber nat&#xFC;rlich durchst&#xF6;sst diese Arbeit Tabus, weil sie die Trennlinie zwischen Wirklichkeit und Abbild aufhebt. Indem sie Kunst und Wirklichkeit auf radikale Weise gleichsetzt, kreiert sie einen neuen Realit&#xE4;ts- und Kunstbegriff. Der K&#xFC;nstler stellt etwas her, was es geben k&#xF6;nnte, und macht es, indem er wirklicher K&#xF6;rper verwendet, tats&#xE4;chlich real. Dadurch hebt er das fiktive readymade auf die Ebene des tats&#xE4;chlich Realen, der K&#xFC;nstler wird zu Frankenstein. Problematisch ist die Sache f&#xFC;r die Betrachtenden, wie ich dies schon eingangs gesagt habe. Man kann sich dem Schrecklichen nicht mehr entziehen, indem man sagt, das ist ja nur eine Ausgeburt k&#xFC;nstlerischer Fantasie. Dieses Kunstwerk ist kein Gleichnis, es gibt keine Katharsis, die uns ersch&#xFC;ttert aber schlussendlich gefestigt entl&#xE4;sst. Die Frage ist, wie man als Betrachtende und auch als Museum mit diesem neuen Wirklichkeitsverst&#xE4;ndnis umgehen soll. Was ich jetzt dargelegt habe, ist mehr, als ich von Anfang an gewusst habe. Wie wir es ausgew&#xE4;hlt haben, habe ich gedacht, es sei ein hyperrealistisches Werk, das funktioniert wie die Werke von John Muck, die damals ja Szeemann gleichzeitig gezeigt hat. Die Ereignisse, die Herr De Riedmatten ausgel&#xF6;st hat, haben sich &#xFC;berspitzt und wir haben Drohungen erhalten, vor allem Bernhard Fibicher. Wir waren uns nicht mehr sicher, ob das Kunstwerk und das Museum bedroht sind und haben deshalb &#x201E;Ruan&#x201C; aus Sicherheitsgr&#xFC;nden zur&#xFC;ckgezogen. Ich finde den Diskurs um dieses Werk &#xE4;usserst brisant und wichtig.<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen:<br xmlns=""/>
Vielen Dank. Andrea Riemenschnitter, Sie sind Sinologin und Professorin am Ostasiatischen Institut der Universit&#xE4;t Z&#xFC;rich. Jetzt war in diesen letzten Wochen viel die Rede von diesem Kunstwerk, man hat die unterschiedlichsten Statements aus den unterschiedlichsten Perspektiven geh&#xF6;rt. Was mir dabei vor allem in den letzten Tagen aufgefallen ist, das war, dass das Kunstwerk einfach immer als &#x201E;Ruan&#x201C; zitiert wurde. Es war sehr schwierig, von jemandem zu erfahren, was dieses &#x201E;Ruan&#x201C; nun eigentlich bedeutet. Sie haben mir gesagt, dass Sie zu diesem Thema recherchiert haben, f&#xFC;ndig geworden sind und dass Sie dies als eine ganz wichtige Aussage &#xFC;ber das Kunstwerk selber erachten.<br xmlns=""/>
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Andrea Riemenschnitter:<br xmlns=""/>
Ja. Das Schriftzeichen ist kein Lexem, der K&#xFC;nstler Xiao Yu hat es erfunden, wie er selber sagt. Es ist eine Zusammensetzung aus verschiedenen Bedeutungselementen. Es gibt ein Radikal, das darauf hinweist, dass es sich um ein vierbeiniges Tier handelt, also nicht etwa um einen Menschen. Es gibt noch andere Bedeutungskomponente, wie weiss und anderes. Xiao Yu sagt, dass es um ein hybrides Fantasiewesen geht, welches er sich vorgestellt und so geschaffen hat. Es besteht aus Tier und menschlichen F&#xF6;tuselementen. Die Aussprache &#x201E;Ruan&#x201C; verweist auf einen sehr begrenzten semantischen Vorrat, aus dem er sich bedienen k&#xF6;nnte. Semantischer Vorrat heisst nicht, was tats&#xE4;chlich in dem Zeichen eingeschrieben ist, denn es ist ja ein erfundenes. Sondern es heisst, was man &#xFC;ber die symbolische Ebene, n&#xE4;mlich &#xFC;ber Lautgleichheit und &#xFC;ber andere Zeichen, die &#x201E;Ruan&#x201C; bedeuten k&#xF6;nnen, gewinnen kann. Dass man ein Zeichen schreibt und ein anderes mindestens mitmeint, macht man in der Literatur sehr h&#xE4;ufig und auch in der Kunst. Wenn man dies nun untersucht, dann findet man Inhalte wie weich und formbar als ganz besonders prominent, es liegt ja bei einem F&#xF6;tus auch auf der Hand, dass dies Assoziationen sein k&#xF6;nnten. Es gibt dann auch noch die Semantiken wie sich winden und kr&#xFC;mmen. Und schliesslich gibt es ein drittes Feld, das etwas diffus ist, wie Musikinstrument, ein alter Staatsname und ein Familienname. Daraus kann man jetzt alle m&#xF6;glichen Bedeutungen konstruieren, worauf ich aber jetzt eigentlich nicht abheben m&#xF6;chte. Eher m&#xF6;chte ich ansprechen, dass diese Erfindungen in den chinesischen Artikeln zu dem Kunstwerk kaum erw&#xE4;hnt und tendenziell sogar durch andere Zuschreibungen ersetzt werden. Das heisst, wenn sie in den chinesischen Medienberichten suchen, dann finden sie das Werk als &#x201E;F&#xF6;tusm&#xF6;we&#x201C; bezeichnet oder sie finden den Namen &#x201E;Vogelmensch&#x201C;, aber sie finden sehr selten einmal &#x201E;Ruan&#x201C;. Und wenn sie das finden, dann muss man im alphabetischen Umschriftmodus die Lautung dazu geben, denn es erschliesst sich aus dem Zeichen nicht, wie man es spricht. Das heisst, es ist relativ unpraktisch in diesem Kontext und das, denke ich, weist deutlich darauf hin, dass dies eine Aussage sein k&#xF6;nnte. Das ist also eine Namensverwirrung, das Schlimmste, was einem Chinesen passieren kann. Also immer wenn es irgendwie kulturell drunter und dr&#xFC;ber geht, muss man zuerst die Namen berichtigen und hier haben wir also eine Namensverwirrung. Das scheint mir ein deutlicher Index f&#xFC;r den Status des Werkes zu sein und zwar stellt der K&#xFC;nstler es offenbar ganz absichtlich ausserhalb der symbolischen Ordnung chinesisch-kultureller Praxis. Man muss, wo man den Namen erw&#xE4;hnt, eben die Lautung angeben. Andererseits bekommt man aber &#xFC;ber die Lautung Assoziationen geliefert, die wiederum westlichem Publikum, dem die chinesischen Kenntnisse fehlen, auch nicht zug&#xE4;nglich sind. Das heisst, dass sich das Werk hinsichtlich des Namens ausserhalb der symbolischen westlicher Ordnung stellt. Und damit kommen wir zu der Frage, inwieweit l&#xE4;sst sich mit so einem Werk eine Bindung an die chinesische Kultur herstellen? Und da w&#xFC;rden wir dann sagen m&#xFC;ssen, das ist hochproblematisch. Viele Werke wahrscheinlich ausser dem &#x201E;Ruan&#x201C; von Xiao Yu stehen im Kontext eines internationalen Kunstmarktes. Und aus sinologischer Sicht muss man sagen, es gibt keinen legitimen Link zwischen der Verwendung von Leichenteilen in einem Kunstwerk und einem kulturell determinierten anderen chinesischen Umgang mit Menschen und Tieren. Die Fremdheit, die durch eine solche kulturrelativistische Annahme gesetzt w&#xFC;rde, w&#xE4;re ein westlicher Artefakt und das kompliziert die Sache noch weiter, denn es gibt ja tats&#xE4;chlich Geschichten chinesischer Gewalt, wie es Geschichten amerikanischer, deutscher und russischer Gewalt gibt, und die mag der K&#xFC;nstler bei der Schaffung des Werks ber&#xFC;cksichtigt haben. Aber das h&#xE4;tte er vermutlich auch tun k&#xF6;nnen, ohne einen echten F&#xF6;tus zu verwenden. Nach seinen Angaben handelt es sich um einen Versuch, diesen Kreaturen ein anderes Leben in der Kunst zu vermitteln und eine Intervention zu Gentechnologie. Und beides hat mit chinesischen Kultur oder einer spezifisch chinesischen (Aussage, ?) des K&#xFC;nstlers zun&#xE4;chst nichts zu tun. Mit was es dann tats&#xE4;chlich etwas zu tun haben k&#xF6;nnte, n&#xE4;mlich mit einem kulturellen Missverst&#xE4;ndnis, dar&#xFC;ber k&#xF6;nnten wir ja sp&#xE4;ter noch mal reden.<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen:<br xmlns=""/>
Also wenn ich Sie richtig verstehe, dann heisst das, dass der K&#xFC;nstler wirklich die kulturellen Spuren schon &#xFC;ber die Namensgebung genau gleich verwischt hat, wie er das mit dem zusammengesetzten Wesen tat. Ganz einfach verstanden.<br xmlns=""/>
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Andrea Riemenschnitter:<br xmlns=""/>
Er hat Spuren gelegt und sie gleichzeitig wieder verwischt. Ich w&#xFC;rde sagen, ja, das war sicherlich in der Intention.<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen:<br xmlns=""/>
Sehr interessant. Dar&#xFC;ber werden wir bestimmt nachher noch sprechen, was es bedeutet, dieses Spuren legen, und auch &#xFC;ber diesen ganzen Konflikt West - Ost, der in dieser Debatte auch immer eine grosse Rolle gespielt hat.<br xmlns=""/>
Ich m&#xF6;chte jetzt zuerst noch auf die rechtlichen Aspekte zu sprechen kommen. Peter Studer, Sie sind ehemaliger Chefredaktor des Tagesanzeigers und des Schweizer Fernsehens. Sie sind jetzt Pr&#xE4;sident des schweizerischen Presserates und Sie sind Jurist. Sie haben sich jetzt intensiv mit dem Rechtlichen in Zusammenhang mit diesem Objekt des chinesischen K&#xFC;nstlers auseinander gesetzt. Und Sie haben daf&#xFC;r pl&#xE4;diert, Recht und Geschmack hier nicht miteinander zu verwechseln. K&#xF6;nnen Sie uns das kurz erl&#xE4;utern?<br xmlns=""/>
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Peter Studer:<br xmlns=""/>
Meine Damen und Herren, ich habe diese Ausstellung schon besucht, bevor Herr Riedmatten mich sehr deutlich nochmals darauf aufmerksam gemacht hat, aber um das geht es jetzt heute nicht. Sondern ich m&#xF6;chte Ihnen kurz schildern, was Herr Riedmatten tats&#xE4;chlich vorgekehrt hat. Er hat eine Strafanzeige eingereicht, nicht eine Klage, sondern eine Strafanzeige. Das heisst, er fordert den Untersuchungsrichter Bern Mittelland auf, sich mit diesem Objekt zu besch&#xE4;ftigen. Und er hat drei Wege aufgezeigt, von denen er glaubt, dass der Untersuchungsrichter Bern Mittelland sie beschreiten sollte. Und der Untersuchungsrichter Bern Mittelland kann dann entweder eine Strafuntersuchung in der Richtung, wie sie Herr Riedmatten skizziert hat, lancieren oder er kann die Untersuchung einstellen, was ich hoffe, weil sie v&#xF6;llig unbegr&#xFC;ndet ist, oder er kann am Schluss eine Anklage beim Strafgericht begr&#xFC;nden. Was hat Herr Riedmatten zitiert als juristische Normen, die da angeblich durch die Ausstellung dieses Werks verletzt sind? Erstens hat er gesagt, dieses Objekt verst&#xF6;sst gegen das Verbot der Gewaltdarstellung im Strafgesetzbuch. Wer Gegenst&#xE4;nde, die grausame Gewaltakte gegen Mensch und Tier eindringlich darstellen, ausstellt und dabei die elementare W&#xFC;rde des Menschen verletzt, wird bestraft. So heisst es im Strafgesetzbuch. Ausser diese Gewaltdarstellung hat einen schutzw&#xFC;rdigen, hier jetzt kulturellen Zweck erf&#xFC;llt. Und wenn wir, wie Juristen dies eigentlich sollten, diese Begriffe etwas analysieren, dann stellen wir fest, dass wir von einem grausamen Gewaltakt eigentlich nichts wissen. Wir haben nur die Aussage des K&#xFC;nstlers, er habe erstens diese M&#xF6;we in einem Stadtpark aufgelesen, wie die andern Tierteile auch. Und den F&#xF6;tus, von dem sagt er, er habe ihn beim Abr&#xE4;umen einer Medizinausstellung von dem Veranstalter bekommen. Und ich frage mich, wo da die grausame Gewaltdarstellung ist? Ist es eine eindringliche Darstellung von grausamer Gewalt? Wenn es keine Gewalt ist, dann ist sie auch nicht eindringlich dargestellt. Wird die elementare W&#xFC;rde des Menschen verletzt? Darauf komme ich gleich bei meinem n&#xE4;chsten Punkt zu sprechen. Und schliesslich, besteht ein schutzw&#xFC;rdiger kultureller Zweck? Wer diese grossartige Ausstellung gesehen hat und das Gesamtportrait der chinesischen Gegenwartskunst, in das es hineingeh&#xF6;rt, wie uns die Kunsthistoriker best&#xE4;tigen, der wird von der Kunstfreiheit her kommen und sicher finden, dass damit ein schutzw&#xFC;rdiger Zweck verfolgt worden ist. Ich komme zum zweiten Vorwurf, den Herr De Riedmatten dem Untersuchungsrichter Bern Mittelland empfiehlt. Er sagt, es ist eine St&#xF6;rung des Totenfriedens passiert. Auch da haben wir wieder ein grosses juristisches Problem, meine Damen und Herren. Dieser Strafgesetzbuchartikel sch&#xFC;tzt die Ehrfurcht gegen&#xFC;ber Toten. Ein F&#xF6;tus ist nach herrschender Meinung und nach den Gerichtsurteilen kein Toter, denn er ist nicht Mensch gewesen. Zwar besteht im Strafgesetzbuch ein Abtreibungsverbot, ausser wenn ein Arzt die Abtreibung rechtfertigt. Diese Bestimmung gilt dem Schutz keimenden Lebens, aber das hat nichts mit der St&#xF6;rung des Totenfriedens zu tun. Die h&#xE4;ufigste Anwendung dieser Norm ist, wenn zum Beispiel Rechtsextreme Grabsteine mit Nazikreuzen verschmieren usw. oder wenn die Leiche eines Menschen von einem Grabr&#xE4;uber massiv verletzt und besch&#xE4;digt wird. Dann kommt der dritte Punkt, den Herr Riedmatten dem Untersuchungsrichter empfiehlt, das ist die Verletzung der Tierschutznorm. Wir haben ein Tierschutzgesetz, das sch&#xFC;tzt das Wohlbefinden der Tiere, es verlangt, dass den Tieren kein Schmerz, kein Leid und kein Schaden zugef&#xFC;gt werden. Es verbietet qualvolles T&#xF6;ten, es verbietet mutwillige Verletzung und Qu&#xE4;lerei von Tieren, was mit Haft oder mit Busse bestraft wird. Wir haben neuerdings auch einen Verfassungsartikel, Artikel 120 Absatz 3, und er l&#xE4;sst Vorschriften &#xFC;ber den Schutz der W&#xFC;rde der Kreatur. Und auch hier frage ich mich, ob es irgendwelche Anhaltspunkte gibt, dass diese M&#xF6;we gequ&#xE4;lt oder auf schlimme Art zu Tode gebracht wurde. Wird die Kreaturw&#xFC;rde der M&#xF6;we verletzt durch diese Darstellung? Wir haben die Darstellungen gesehen, die uns Herr Fibicher gezeigt hat. Es gibt noch viele andere und auch da w&#xFC;rde ich meinen, dass diese Strafbarkeitsbedingungen hier nicht erf&#xFC;llt sind.<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen:<br xmlns=""/>
Sie meinen also, wenn ich Ihre Ausf&#xFC;hrungen zusammenfasse, dass alle Punkte juristisch haltlos sind?<br xmlns=""/>
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Peter Studer:<br xmlns=""/>
Genau. Und jetzt haben wir noch ein neues Rechtsproblem: Offenbar haben die Damen und Herren dieser Museumsorganisation einen Strafantrag gegen Herrn De Riedmatten eingereicht wegen &#xFC;bler Nachrede, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Das finde ich jetzt auch eher ein bisschen daneben, muss ich Ihnen sagen. Da wird doch mit einer schweren Kanone auf Spatzen geschossen. Auch wenn ich Herrn Riedmatten durchaus ernst nehme, er ist ja Journalist, wie er selbst sagt, und hat sich da exponiert und mit dieser Ausstellung auseinandergesetzt. Aber h&#xE4;tte man jetzt nicht warten k&#xF6;nnen, bis der Untersuchungsrichter Bern Mittelland sagt, nein, ich habe jetzt diese Anzeige gepr&#xFC;ft und ich stelle das Verfahren schleunigst wieder ein. Das w&#xE4;re meiner Meinung nach die richtige Antwort gewesen. Schon weil die &#xFC;ble Nachrede sehr strenge Bedingungen stellt. Es reicht nicht, dass man jemandem sagt, zum Beispiel Herrn Frehner, er habe diese Ausstellung unsorgf&#xE4;ltig organisiert oder Herrn Fibicher, er habe nicht aufgepasst. Es muss ein Mensch in seinem innersten Ehrenkern getroffen werden, sein Ruf, er sei ein ehrenwerter Mensch, muss durch einen Vorwurf besch&#xE4;digt sein. Und ich glaube, das hat jetzt Herrn De Riedmatten nicht geschafft, obwohl er zwar ein riesiges Medienecho fast aus dem nichts heraus erzielt hat. &#x201E;Die Tagesschau&#x201C; ist gerannt gekommen und &#x201E;Le Matin&#x201C; hat einen gewichtigen Kommentar geschrieben &#xFC;ber diese Sache. Aber ob jetzt Herrn Frehner und Herrn Fibicher durch diese Auseinandersetzung in ihrem innersten Menschwesen besch&#xE4;digt sind, das m&#xF6;chte ich doch bezweifeln.<br xmlns=""/>
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Gabriele Christen:<br xmlns=""/>
Vielen Dank Peter Studer f&#xFC;r die ausf&#xFC;hrliche Darlegung der rechtlichen Situation, der Sie auf beiden Seiten keine Chance geben. Ich glaube f&#xFC;r uns, die wir alle in diesem Gebiet Laien sind, k&#xF6;nnen wir diesen Punkt f&#xFC;r den heutigen Abend abhaken.<br xmlns=""/>
Und ich w&#xFC;rde jetzt gerne Irene Neubauer fragen: Sie sind Theologin und Religionswissenschaftlerin. Sie haben sich die Ausstellung und dieses Kunstwerk, diese Installation &#x201E;Ruan&#x201C; sehr genau angeschaut. Und ich m&#xF6;chte gerne von Ihnen h&#xF6;ren, wie dieses Kunstwerk auf Sie gewirkt hat. Man h&#xF6;rt ja immer wieder, also Herrn De Riedmatten hat das gesagt, diese Geschichten von ganzen traumatisierten Klassen und Menschen. Es w&#xFC;rde mich nun sehr interessieren, wie Sie dieses Objekt gesehen haben.<br xmlns=""/>
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Irene Neubauer:<br xmlns=""/>
Ich habe es zuerst als Zeitungsbild gesehen und jetzt heute Abend real. Meine spontane Reaktion auf das Zeitungsbild war eher positiv. Ich fand das &#x201E;M&#xF6;wenbebe&#x201C; &#xE4;sthetische eher ansprechend und es hat mich sogar auf irgendeine Art ger&#xFC;hrt. Und insofern ist die Absicht des K&#xFC;nstlers zu provozieren also bei mit irgendwo ins Leere gelaufen. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass es meiner &#xDC;berzeugung und meinem Empfinden nach zwischen Tieren und Menschen keinen un&#xFC;berwindlichen Graben gibt, sondern ein Kontinuum. Und in der Ausstellung, wenn er mit dem Ei anf&#xE4;ngt und es weiter f&#xFC;hrt, ist dies ja auch &#xE4;hnlich. Dieses Gef&#xFC;hl des Kontinuums basiert einerseits auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, aber dann auch auf den mir vertrauten unz&#xE4;hligen Beispielen aus der Religionsgeschichte und der Ethnologie, wie Menschen sich in Tiere und Tiere in Menschen verwandeln k&#xF6;nnen. Also dieses Kontinuum ist irgendwie auch nichts Neues. Und wir kennen aus der Religionsgeschichte auch unz&#xE4;hlige dieser Mischwesen, ich denke zum Beispiel an die Sphinx. Und heute Abend, als ich das gesehen habe, war mir neu, dass es nicht nur M&#xF6;wenfl&#xFC;gel hat, sondern der Rest des K&#xF6;rpers etwas ist, was eine Katze sein k&#xF6;nnte. Und dies hat mich an die Sphinx erinnert, die einen Menschenkopf hat, gefl&#xFC;gelt ist und auch aus einen L&#xF6;wenk&#xF6;rper besteht. Und diese Sphinx, die es in Aegypten und Griechenland gibt, besch&#xFC;tzen eigentlich Tempel und Gr&#xE4;ber. Dann habe ich heute mit meiner Tochter gerade einmal endlich das Zimmer aufger&#xE4;umt und da kam ein Pl&#xFC;schwesen wieder zum Vorschein, das ich ihr vor einer Weile geschenkt habe, weil es mich so angesprochen hat. Sie offenbar weniger, weil es jetzt in den Estrich wanderte. Und dieses Pl&#xFC;schwesen ist ein H&#xE4;schen mit einem Menschengesicht und auch das hat mich offensichtlich angesprochen. Dies ist jetzt so meine ganz spontane Reaktion. &#xDC;ber die Problematik, die sich durchaus auch aus diesem Objekt ergibt, m&#xF6;chte ich nachher in der n&#xE4;chsten Runde etwas sagen. Ich wurde jetzt nach meinem ganz pers&#xF6;nlichen ersten Eindruck gefragt.<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen:<br xmlns=""/>
Vielen Dank f&#xFC;r diese Eindr&#xFC;cke. Ich denke, den einen Menschen ist es wahrscheinlich so ergangen wie Ihnen, dass sie fasziniert waren. Andere Menschen waren nat&#xFC;rlich schockiert, das haben wir ja in mehreren Berichten und Leserbriefen gelesen.<br xmlns=""/>
Eine der Hauptfragen m&#xF6;chte ich nun an Sie stellen, Beat Sitter. Sie sind Professor f&#xFC;r praktische Philosophie und, das muss ich jetzt ablesen, damit ich das genau sage, Mitglied der eidgen&#xF6;ssischen Ethikkommission f&#xFC;r Biotechnologie im ausserhumanen Bereich. Ihnen m&#xF6;chte ich nat&#xFC;rlich nun diese &#x201E;hardcore-ethik-Frage&#x201C; stellen: Darf ein K&#xFC;nstler Teile eines menschlichen Embryos mit Tierleichen zusammenn&#xE4;hen zum Beispiel oder zusammen f&#xFC;gen? Und darf ein Museum ein solches Objekt &#xFC;berhaupt ausstellen?<br xmlns=""/>
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Beat Sitter-Liver:<br xmlns=""/>
Wenn man in der Ethik auf interessante Fragen st&#xF6;sst, und das ist eine hochinteressante Frage, dann muss man sich darauf gefasst machen, dass es keine leichten und keine einfachen Antworten gibt. Wir haben es nicht so leicht wie die Juristen, weil von der Ethik aus dasjenige, was sie so sch&#xF6;n dargelegt haben, auch wieder in Frage gestellt werden k&#xF6;nnte. Ich m&#xF6;chte einige Punkte einfach fast thesenhaft hier festhalten und zuerst kurz &#xFC;ber das Problem der Freiheit der Kunst sprechen. Mir scheint f&#xFC;r die Diskussion sehr wichtig, dass man den Begriff der Freiheit nicht sinnvoll denken kann, wenn man Freiheit als absolute Freiheit versteht. Der Begriff Freiheit l&#xE4;sst sich nur denken, wenn man ihn denkt als Freiheit zu, als Freiheit von bzw. als Freiheit innerhalb von Grenzen. Es gibt keine absolute Freiheit. Und wenn Michel Tevot in &#x201E;Le Temps&#x201C; geschrieben hat von der &#x201E;libert&#xE9; int&#xE9;grale de l`art&#x201C;, dann hat er hier eine absurde Aussage gemacht. Kunst ist menschliches Handeln. Das Kunstwerk selber lebt durch den Betrachter, es l&#xF6;st sich vom K&#xFC;nstler und der K&#xFC;nstlerin ab und hat sein Leben in der Betrachtung anderer. Das heisst, wenn sie mir diesen allgemeinen Begriff gestatten, es hat sein Leben in der Gesellschaft und das wieder impliziert, dass es wie alles Handeln in der Gesellschaft gemessen werden kann, und auch in der Regel gemessen wird, mit den Kategorien des Guten und des Schlechten. Es gibt keine Kunst, die ethisch nicht relevant w&#xE4;re, dies ist eine Voraussetzung. Zum Zweiten: Ein Kunstwerk, wie immer es sich uns pr&#xE4;sentiert, stellt die Frage, darauf wurde bereits hingewiesen, nach dem Material, aus dem es besteht. In unserem Falle hier ist das f&#xFC;r mich eine von der Ethik aus gesehen ganz entscheidende Frage. Ganz abgel&#xF6;st einmal von der Intension einer K&#xFC;nstlerin oder eines K&#xFC;nstlers ist die Frage berechtigt, auf welchem Weg diese Intension zur Anschauung gebracht wird. Bei &#x201E;Ruan&#x201C; kann man sich folgendes Fragen: W&#xE4;re das, was dargestellt wird, so dargestellt mit Mitteln der Kopie oder der technischen M&#xF6;glichkeiten, w&#xE4;re das Werk dann noch ein Problem oder nicht? Man kann aber auch fragen, warum es dargestellt worden ist mit realen Mitteln, also Teilen von Tieren und auch Teilen eines menschlichen F&#xF6;tus. Braucht es diese Darstellung oder h&#xE4;tte man das, was des K&#xFC;nstlers deklarierte Intension ist, nicht auch auf einem anderen Weg in gleicher Weise -symbolisch gesprochen- erarbeiten k&#xF6;nnen? Man kann diese Frage offen lassen und sich einfach beim Werk selber fragen, mit welchen Mitteln und aus welchen Materialien es hergestellt ist und wie sie gewonnen wurden? Und da ist nun die Frage ganz entscheidend, sind diese Mittel vorhanden gewesen, so dass der K&#xFC;nstler sie w&#xE4;hlen durfte, oder wurden sie vom K&#xFC;nstler erstellt? Konkret heisst das, wurde eine M&#xF6;we get&#xF6;tet und wurde ein F&#xF6;tus beispielsweise von einer Frau &#xFC;bernommen, die f&#xFC;r einen Abort gestimmt hatte, oder wie war das? W&#xFC;rde das Material vom K&#xFC;nstler in der Weise absichtlich hergestellt oder &#xFC;bernommen, dann denke ich, liesse sich das Werk ethisch nicht vertreten. Das ist aber nicht der Fall. Wir haben es geh&#xF6;rt, das Material kommt aus dem Sammeln des K&#xFC;nstlers. Und insofern ist es f&#xFC;r den K&#xFC;nstler und sein Werk nicht problematisch und daher ethisch nicht anzuzweifeln. Es geh&#xF6;rt aber zur Ethik, dass man nicht nur eine Perspektive w&#xE4;hlt, sondern versucht, alle die Perspektiven ausfindig zu machen, die bei einem Problem tats&#xE4;chlich zu beachten sind. Es gibt auch eine andere Perspektive, die zu beachten ist, und die steckt in ihrer Frage. Wenn das Kunstwerk durch die Betrachtenden lebt, die Betrachtenden aber menschliche Wesen sind, dann ist f&#xFC;r uns alle nicht nur ethisch sondern auch rechtlich etwas ganz wesentlich: Die Betrachtenden sind Tr&#xE4;gerinnen und Tr&#xE4;ger von dem, was wir Menschenw&#xFC;rde nennen. Da m&#xFC;sste man lange dar&#xFC;ber reden, das will ich nicht tun. Was entscheidend ist, ist folgendes: Wenn ich als K&#xFC;nstler oder K&#xFC;nstlerin ein Werk in die Gesellschaft entlasse, dann habe ich zu beachten, dass es Betrachtende findet, die in sich Tr&#xE4;ger und Tr&#xE4;gerinnen von W&#xFC;rde sind. Wenn ich ein Werk in die Gesellschaft entlasse und dabei absichtlich jene, die es aufnehmen, interpretieren, wertsch&#xE4;tzen oder ablehnen, absichtlich physisch, psychisch oder auch symbolisch verletzte -das ist keine absolute Aussage sondern eine prinzipielle-, dann verletze ich sie in ihrer W&#xFC;rde. Das ist mit zu beachten, wenn etwa das Museum sich fragen muss, darf ich oder darf ich nicht dieses Werk ausstellen. Wenn ich gesagt habe, es sei eine prinzipielle und nicht eine absolute Aussage, dann meine ich, es gibt hier keine absolute Antwort. Sie wissen aus dem Alltag, nicht nur aus dem politischen, wie unerl&#xE4;sslich es ist, ab und zu andern Menschen gegen&#xFC;ber so zu handeln, dass sie verletzt werden. Dies mag zu ihrem guten oder einem andern wichtigen Zweck sein. Es gilt in der konkreten Situation zu entscheiden, ob das, was hier gemacht wird, ethische zul&#xE4;ssig sei oder nicht. Es braucht also eine G&#xFC;terabw&#xE4;gung. Ich gehe davon aus, in dieser Art hat Herr Frehner gesprochen, dass diese G&#xFC;terabw&#xE4;gung hier stattgefunden und zu einem Entschluss gef&#xFC;hrt hat. Und dieser Entschluss ist in allererster Linie zu respektieren, man kann ihn dann diskutieren auf die eine oder auf die andere Seite. Aber einen einfachen Schluss oder eine einfache Antwort gibt es in dieser Lage nicht. Ich bin frappiert durch die anthropozentrische Ein&#xE4;ugigkeit der bisherigen Diskussion, auch von Herrn De Riedmatten. Es geht bei diesem Werk ja nicht nur um menschliches Leben, sondern es geht um Leben &#xFC;berhaupt. Da sind M&#xF6;wen und andere Tiere, die gebraucht wurden. Und ich interpretiere lieber Herr Studer die W&#xFC;rde der Kreatur etwas intensiver, als Sie das tun. Der Entschluss eines K&#xFC;nstlers, ein anderes als ein menschliches Lebewesen f&#xFC;r sein Werk zu verwenden, ist ein hochproblematischer, diskutabler, vielleicht berechtigter oder vielleicht unberechtigter Entschluss. Den m&#xF6;chte ich beim Werk &#x201E;Ruan&#x201C;, das nicht aus einem sondern aus sechs Elementen besteht, dar&#xFC;ber haben wir auch noch nicht gesprochen, gerne nicht vernachl&#xE4;ssigt sehen.<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen:<br xmlns=""/>
Vielen Dank f&#xFC;r dieses Statement, in dem Sie den Begriff G&#xFC;terabw&#xE4;gung einbringen, der nat&#xFC;rlich auch in einem gewissem Gegensatz zu andern Begrifflichkeiten steht, die wir heute Abend auch schon geh&#xF6;rt haben.<br xmlns=""/>
Zum Beispiel Myriam Cahn: (Was ist f&#xFC;r) Sie als K&#xFC;nstlerin der Begriff der k&#xFC;nstlerischen Freiheit, die ja in den ganz unterschiedlichsten Facetten jetzt auch wieder bez&#xFC;glich dieser Debatte eingefordert wurde. Was halten Sie von der k&#xFC;nstlerischen Freiheit jetzt bez&#xFC;glich von &#x201E;Ruan&#x201C;? Und glauben Sie, dass mit dem Akt der Entfernung aus der Ausstellung Zensur an einem Kunstwerk und gegen&#xFC;ber einem K&#xFC;nstler ver&#xFC;bt wurde?<br xmlns=""/>
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Miriam Cahn:<br xmlns=""/>
Das glaube ich auf alle F&#xE4;lle. K&#xFC;nstlerische Freiheit sind Worte, die ich nicht unbedingt in den Mund nehme. Aber ich m&#xF6;chte gerne Bezug nehmen auf den Begriff der Realit&#xE4;t. Realit&#xE4;t ist etwas so genanntes. In dem Moment, wo Duchamps einen Flaschenst&#xE4;nder ins Museum gestellt hat, war es Kunst, vorher war es ein Flaschenst&#xE4;nder. Und wir haben hier einen relativ &#xE4;hnlichen Fall. Wir sind heute 2005, da geht es um andere Sachen als in der Zeit von Herrn Duchamps, aber das Problem ist genau dasselbe. Es gibt Leute, die schreien herum, dies sei keine Kunst mehr, weil das reale und zwei lebendig gewesene Lebewesen waren, sagen wir mal. Es gibt Leute wie Sie, die aus politischen Gr&#xFC;nden so eine Sache aufbauschen. Aber f&#xFC;r mich ist ganz klar, der K&#xFC;nstler (wollte), gerade nachdem sie jetzt dargelegt haben, dieses Schwimmende, das man nicht genau (kennt), dieses hybride Wesen darstellen. Was ist denn das jetzt ganz genau? Ist es ein &#x201E;M&#xF6;wen-Embryo-Hase-Dingspums&#x201C;? Das ist doch eigentlich das Interessante an diesem Werk und das gibt es als Tradition schon lange, und das macht doch Kunst aus. Und heutige zeitgen&#xF6;ssische Kunst und zeitgen&#xF6;ssische Kunst &#xFC;berhaupt war immer Kommentar zur Gegenwart. Und unsere Zeit ist halt so mit diesem hybriden Wesen. Wenn ich anschauen oder in der Zeitung lesen muss, dass eine Maus als Tr&#xE4;gerin gez&#xFC;chtet und oben ein Ohr aufgesetzt wurde. Ich muss ihnen ehrlich sagen, wo ich das gesehen habe, habe ich gedacht, wenn das jetzt in einem Museum w&#xE4;re, w&#xE4;re das Kunst. Aber nat&#xFC;rlich dadurch, dass es in der Wissenschaft (gebraucht) wird, ist man je nach Konstellation emp&#xF6;rt oder nicht. Aber so etwas wird in den Grundz&#xFC;gen unter der Wissenschaft akzeptiert, auch von der SVP. Aber immer wieder passieren solche so genannten Skandale. Ich muss sagen, es geht heute mit diesem Skandal und besonders mit den Einklagen gar nicht um Kunst, sondern es geht um das Museum. Dieses zeigt seit Jahrzehnten, seit (einem) Jahrhundert regelm&#xE4;ssig zeitgen&#xF6;ssische Kunst und bestimmte Parteien wollen dem Museum die staatlichen Unterst&#xFC;tzungen entziehen. Sonst h&#xE4;tten sie schon beim Hagen einschreiten m&#xFC;ssen, aber da ist niemand von euch eingeschritten. Warum? Weil das auf der privaten Basis passiert, das ist ganz einfach. Ich finde es nat&#xFC;rlich v&#xF6;llig falsch, dass jetzt nicht zumindest ein Abbild dieses Werkes hier ist. Und nach dem ich jetzt geh&#xF6;rt habe, dass das obsolet ist mit diesem Werk, (dann muss ich sagen,) das muss ab Morgen wieder in der Ausstellung stehen, sonst ist das absolut unglaubw&#xFC;rdig, wie das Museum selbst zu diesem Werk steht. Da gibt es n&#xE4;mlich Grauzonen, wo Leute wie Herrn Riedmatten auch medial reinwischen, reinficken. Irgendwodurch finde ich, das Museum muss sich jetzt hinstellen und sagen, wir haben von Anfang an dieses Werk ausgestellt und wir stehen zu diesem Werk mit seinen ganzen Schwierigkeiten. Und was sie hier bringen ist wirklich sehr larmoyant, dass die Kinder da heulend raus gegangen sind. Ja Kinder heulen viel, das ist halb so tragisch.<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen:<br xmlns=""/>
Vielen Dank f&#xFC;r dieses sehr provokative Statement von Ihnen, womit wir jetzt gerade beim Begriff der Provokation sind, auf den ich gerne Ursula Pia Jauch, last but not liest in dieser Runde, ansprechen m&#xF6;chte. Sie sind Titulatprofessorin f&#xFC;r Philosophie an der Universit&#xE4;t Z&#xFC;rich. Wir haben es in den letzten Wochen gelesen, &#x201E;Ruan&#x201C; provoziert offensichtlich &#xFC;ber das Larmoyante hinaus. Es entsteht eine echte Provokation durch dieses Kunstwerk. Mich w&#xFC;rde jetzt interessieren so mit Blick auf die Kunst &#x2013;und Kulturgeschichte zur&#xFC;ck, die Sie ja sehr gut kennen: Was f&#xFC;r ein Potential an Provokation hat denn eigentlich dieses Werk &#x201E;Ruan&#x201C;?<br xmlns=""/>
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Ursula Pia Jauch:<br xmlns=""/>
Nachdem Herr Studer mir eben ins Ohr gefl&#xFC;stert hat, dass den Letzten die Hunde beissen, muss ich es besonders kurz machen. Ansonsten muss Beat Sitter noch ethische Erw&#xE4;gungen &#xFC;ber die Hunde, die mich beissen sollen, anstellen und das wollen wir ja nicht. Ich bin mir gar nicht sicher, ob hier &#xFC;berhaupt eine Provokation vorliegt. Ich glaube, die Provokation, &#xFC;ber die wir hier so genannt zu sprechen versuchen, ist eine artifizielle, die wesentlich auch der Aufmerksamkeitsgenerierung Vorschub geleistet hat. Und das ist doch auch wundersch&#xF6;n, dass, nachdem diese Ausstellungen doch schon etliche Wochen besteht, mal endlich jetzt doch ein &#xF6;ffentliches Gespr&#xE4;ch stattfindet. Insofern m&#xFC;ssen wir alle Herrn Riedmatten sehr dankbar sein, dass er nicht einfach das Gespr&#xE4;ch gesucht, sondern gleich eine Klage gemacht hat. Das mal gesagt. Provokation ist im Deutschen ein Wort, das mit -ich sage es ein bisschen kompliziert- hermeneutischen Missverst&#xE4;ndnissen belegt ist. Wenn man es auf Franz&#xF6;sisch sagt, provoquer, ist es schon nicht mehr so dramatisch, Lateinisch provocare also hervorrufen, ist schon eigentlich ein positiver Kultur- und Gesellschaftskritik stiftender Akt. In der deutschen Sprache ist eine Provokation das, was man gef&#xE4;lligst zu unterlassen hat, weil man das nicht tut, das ist unanst&#xE4;ndig. Ich denke mir, Provokation entsteht dann, wenn etwas passiert und jemand oder eine Institution darauf reagiert. Das sind kommunikative Prozesse, die zumindest an zwei Seiten gekoppelt sind. Um es etwas einfacher und auf den hiesigen Fall zu beziehen, dann ist zu sagen, dass hunderttausende von Leute durch diese Ausstellung gegangen sind, &#xFC;brigens schon seit 1999, seit sie Harry Szeemann an der Biennale in Venedig gezeigt hat, und sich in diesem Sinne nicht provoziert gef&#xFC;hlt haben. Dies mag das eine sagen. Das andere ist vielleicht dasjenige, dass derjenige der sich provoziert f&#xFC;hlt und dann diese oder jene Reaktion macht, zum Beispiel diese Strafanzeige einreichen, einen Definitionsakt begeht, der n&#xE4;mlich sagt, dies ist etwas, was nicht sein darf. Er diskutiert zun&#xE4;chst gar nicht, sondern er definiert sofort, dass dasjenige nicht in Frage kommt. Und dies halte ich eigentlich f&#xFC;r die gr&#xF6;sste Provokation an der ganzen Angelegenheit. Ich f&#xFC;hle mich als einen Menschen, der diese Ausstellung angeschaut hat und zwar heute in zwei Auflagen: N&#xE4;mlich zun&#xE4;chst 302 Exponate oben und dann in einer Privatf&#xFC;hrung unten noch eines, das andere Leute, die jetzt nicht in dieser privilegierten Situation sind, momentan nicht sehen k&#xF6;nnen. Ich f&#xFC;hle mich insofern provoziert, als ich nicht mehr als selbstdenkendes Subjekt wahrgenommen werde, das sich selbst einen Reim auf ein Exponat bilden kann. Und das st&#xF6;rt mich eigentlich an dieser Sache doch sehr stark, dar&#xFC;ber m&#xFC;ssten wir vielleicht nachher noch ein bisschen diskutieren. Gott sei dank muss ich nicht als Ethikerin sprechen, das hat Beat Sitter schon f&#xFC;r mich getan. Ich weis nicht, ob es in der Kunst wirklich mit G&#xFC;terabw&#xE4;gung zu und her geht und ob man Probleme der &#xC4;sthetik mit G&#xFC;terabw&#xE4;gung ethischer Natur wirklich kl&#xE4;ren kann. Es hat in der Kunst immer die Abteilung des Bizarren und des Grotesken gegeben. Wir haben es hier mit einem Hybrid zu tun, das sind &#xE4;sthetische Kategorien. Obwohl ich eigentlich sonst grosse Sympathien mit den Ethikern habe, m&#xF6;chte ich ihnen nicht das Feld &#xFC;berlassen, wenn es darum geht, die Qualit&#xE4;tsfrage und die &#x201E;darf-man-das-Frage&#x201C; in der Kunst zu stellen. Oder um es noch ein bisschen komplizierter zu formulieren, Hegel, ein Philosoph des 19. Jahrhunderts, hat mal gesagt, dass Philosophie der Geist der Zeit in Gedanken gefasst sei. Ich w&#xFC;rde sagen, nachdem heute die Philosophie doch nicht mehr so viel produktive Gedanken hervor bringt, dass man vielleicht heute sagen k&#xF6;nnte, Kunst ist der Geist der Zeit in Werk gebracht. Und ich glaube, dieses Exponat (ist in diesem Sinne zu betrachten) und zwar nicht nur dieses Werk, sondern die ganze Ausstellung, die ja das spannende ist. Ich meine innerhalb von 303 Exponaten ist so etwas ganz was anderes, als wenn man es so zu sagen skandalisiert und einzeln herausnimmt. Innerhalb der ganzen Ausstellung halte ich dieses Exponat f&#xFC;r absolut geistesanregend. Ein Kunstwerk darf auch ein Denkwerk sein. Und wer zun&#xE4;chst mit dem Zeigefinger kommt, bevor er das Hirn einschaltet -ich meine das gar nicht b&#xF6;sartig- folgt doch eigentlich dem Relikt einer Verbotsmentalit&#xE4;t, die wir vielleicht seit dem mittleren 18. Jahrhundert &#xFC;berwunden haben sollen. Ich muss selbst aus meiner Kindheit sagen, ich bin sehr streng katholisch erzogen worden, dass ich meinen ersten, gr&#xF6;ssten und anhaltendsten Schock als Kind gerade in einer katholischen Kirche erhalten oder gekriegt habe. Dies nachdem ich eine mumifizierte Reliquie, ich weis nicht mehr, was es genau war, im Kloster Bernau gesehen habe und tats&#xE4;chlich von meinen Eltern informiert oder belehrt worden bin, dass dies ein echter Mensch sei. Und das in einem sakralen Raum, der sich eben dem Katholizismus verpflichtet f&#xFC;hlt und sehr strenge Auflagen hat, wie man mit der W&#xFC;rde des Menschen in anderen Bereichen umgehen soll. Ich m&#xF6;chte nur noch zum Schluss etwas ganz kurzes zitieren aus der doch wie ich meine sehr lesenswerten Leitpublikation, die das Kunstmuseum Bern zu dieser Ausstellung gemacht hat. Hier wird der K&#xFC;nstler (zitiert), der dieses Kunstwerk gemacht hat, dessen Name ich wahrscheinlich chinesisch nicht korrekt ausspreche, aber sie wissen alle, vom wem ich rede, und deswegen lass ich das weg. Er sagt selbst, ich weiss nicht, ob sie das gelesen haben, &#x201E;ich kombiniere die H&#xFC;hner, Enten, Kaninchen und M&#xE4;use nach meinen Regeln, um den bedingten Reflex der Zuschauer hervorzurufen &#xFC;ber die Absurdit&#xE4;t der Regeln der Menschen und &#xFC;ber die Ratlosigkeit, die uns l&#xE4;hmt nachzudenken&#x201C;. Was mich hier interessiert oder was mir hier gleich ins Auge gefallen ist, ist das Wort &#x201E;Ratlosigkeit&#x201C;. Ich glaube es ist heute ein gesellschaftlicher Zustand, dass wir alle mit vielen Fragen sehr ratlos dastehen, obwohl wir Ethiker haben, die G&#xFC;terabw&#xE4;gung machen und Juristen, die ganz pr&#xE4;zis wissen, was juristisch erlaubt ist und was nicht. Wir k&#xF6;nnen trotzdem nicht dar&#xFC;ber hinwegsehen, dass wir ganz, ganz viele Fragen haben, die wir nicht definitiv zu beantworten in der Lage sind. Und dass wir, und jetzt blas ich wieder in ein allgemeines Horn, mit dem allgemeinen so genannten Wertezerfall tats&#xE4;chlich in einer Situation sind, in der wir wieder dar&#xFC;ber diskutieren m&#xFC;ssen, was denn eigentlich die Werte sind f&#xFC;r diese hochdynamische und modernisierte Gesellschaft. Der K&#xFC;nstler sagt, er habe die beiden Dinge gefunden und sie seien ihm so zu sagen zugefallen. Den F&#xF6;tus hat er irgendwo gekauft. Man kann sich ja auch fragen, wie kommt in China ein Naturhistorisches Museum dazu, solche Dinge einfach wegzugeben, das ist ja f&#xFC;r uns Westeurop&#xE4;er schon mal problematisch. Er hat auch die M&#xF6;we gefunden, das ist so zu sagen das Strandgut der gegenw&#xE4;rtigen Zivilisation und das hat er aufgenommen und in einer Art und Weise zusammen verquickt, die uns, ich gebe es zu, es kann sein, schockieren kann. Aber dieser Schock ist ja ein allgemein gesellschaftlicher Schock und h&#xE4;tte damit zu tun, dass wir bei ganz vielen Dingen wirklich nicht mehr wissen, wo die Grenzen zu ziehen sind und wie wir sie begr&#xFC;nden k&#xF6;nnen. Und dieses kleine Wort Ratlosigkeit scheint mir viel angebrachter zu sein, als dasjenige des Skandals, des Verbots oder der Brutalit&#xE4;t.<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen<br xmlns=""/>
Dieser Ratlosigkeit versuchen wir nat&#xFC;rlich heute hier &#xFC;ber dieses Podiumsgespr&#xE4;ch ein bisschen abzuhelfen, was die Philosophie offenbar nicht mehr schafft.<br xmlns=""/>
Ich w&#xFC;rde jetzt gerne in das Gespr&#xE4;ch nochmals einsteigen. Zuerst mit der Frage nach diesem konkreten Kunstwerk. Ich denke, es liegt ja wirklich sehr viel an der Materialit&#xE4;t, am konkreten Aussehen von &#x201E;Ruan&#x201C;, dass sich &#xFC;berhaupt diese Debatte oder diese Diskussion um dieses Werk herum so entwickelt hat. Ich w&#xFC;rde vielleicht gerne zuerst Peter Studer fragen, Sie haben ja bisher eigentlich nur &#xFC;ber das Rechtliche gesprochen. Was w&#xFC;rden Sie sagen, wo liegt die Qualit&#xE4;t dieses Objektes, die es vielleicht eben zu einem Sinnbild dieser Gesellschaft im Aufbruch oder auch in der Aufl&#xF6;sung machen kann?<br xmlns=""/>
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Peter Studer:<br xmlns=""/>
Ich habe dem Katalog entnommen, dass dieses Werk auch Beziehungen zur chinesischen Geschichte hat, zu einer Geschichte, die in den letzten paar hundert Jahren sehr gewaltt&#xE4;tig war, und dass der K&#xFC;nstler auf die Ratlosigkeit angesichts der Gewalt in der heutigen Zeit aufmerksam machen will. Und des weitern, dass er all die Gewalt, die man &#xFC;berwunden zu haben glaubte, darstellen will. Aber ich m&#xF6;chte doch noch ein Wort zu Herrn Sitter sagen, wenn ich darf: Ich glaube, dass die Kluft zwischen Ethik und Recht nicht ganz so gross ist. Auch die Juristen und vor allem die Verfassungsrechtler arbeiten mit der G&#xFC;terabw&#xE4;gung. Und es ist, wenn Ethik und Recht gewisser Massen Vettern sind, dass das Recht nach den Worten eines grossen deutschen Rechtsgelehrten des 19. Jahrhunderts, nur die ethischen Minima regelt. Aber im Unterschied zu Frau Jauch w&#xFC;rde ich nicht so weit gehen und sagen, in der Kunst ist alles erlaubt. Tucholsky hat gesagt, Satire darf alles, obwohl er als Jurist genau wusste, dass dies nicht so ist. Und ich w&#xFC;rde meinen, auch Kunst darf nicht alles.<br xmlns=""/>
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Ursula Pia Jauch:<br xmlns=""/>
Ich muss hier Einsprache erheben Herr Studer. Nur weil sie ja sonst ein pr&#xE4;ziser Jurist sind. Ich habe &#xFC;berhaupt nicht gesagt, Kunst darf alles. Ich w&#xE4;re &#xFC;berhaupt nicht der Meinung, dass ein K&#xFC;nstler einen Menschen vor Publikum auseinander schneiden darf oder solche Dinge. Ich hab nur gesagt, was hier passiert ist, fand ich sowohl im juristischen wie auch im moralischen Sinne legitim.<br xmlns=""/>
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Peter Studer:<br xmlns=""/>
Das geht mir gleich. Aber ich kann noch ein Beispiel zitieren vom selben K&#xFC;nstler, das in einer Textetikette nachvollziehbar war. Offenbar hat dieser K&#xFC;nstler auch zwei lebende M&#xE4;use auseinander geschnitten und wieder zusammen gen&#xE4;ht und dann ein Video dar&#xFC;ber gemacht, wie diese M&#xE4;use in unterschiedliche Richtungen wegzulaufen versuchen.<br xmlns=""/>
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Gabriela Cristen:<br xmlns=""/>
Matthias Frehner, darf ich die Frage weiter leiten. H&#xE4;tten Sie dieses Video gezeigt, falls es sich in der Sammlung von Uli Sigg befunden h&#xE4;tte? Das ist nat&#xFC;rlich die Frage nach den Grenzen, die sie setzten.<br xmlns=""/>
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Matthias Frehner:<br xmlns=""/>
Dieses Video h&#xE4;tten wir gemeinsam ausgeschieden. Ich habe auch nicht selbst entschieden, sondern wir haben die Sachen gemeinsam angeschaut. Dazu geh&#xF6;rte auch der chinesische K&#xFC;nstler Ai Weiwei. Ich m&#xF6;chte einfach noch zu Herr Studer sagen, sie haben uns so zu sagen ein bisschen Feigheit und &#xFC;bersteigerte &#xC4;ngstlichkeit mit der Gegenklage vorgeworfen. Ich muss selber sagen, es war eine sich &#xFC;berspitzende Ereigniskette. Ich h&#xE4;tte ja nie geglaubt, dass die Presse so in diesen Diskurs einsteigt und uns ist unheimlich geworden, was auf der Homepage von Herrn Riedmatten eine Plattform bekommen hat. Auf dieser Homepage hat es dann pl&#xF6;tzlich geheissen, der K&#xFC;nstler h&#xE4;tte eine Frau zur Abtreibung gezwungen, um zu diesem F&#xF6;tus zu gelangen. Der K&#xFC;nstler ist auch eingeklagt und nicht nur wir. Da sind wir auf eine Weise dargestellt worden, die ich nicht mehr lustig finde. Ich werde nicht rasch hysterisch, aber hier finde ich, ist eine Grenze &#xFC;berschritten, die mich zum handeln zwingt. Und gerade weil ich es vielleicht falsch gefunden habe, dass eine Kulturinstitution nur reagiert und sich nur defensiv verh&#xE4;lt, habe ich gedacht, jetzt schiessen wir mal zur&#xFC;ck.<br xmlns=""/>
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Miriam Cahn:<br xmlns=""/>
Ich m&#xF6;chte dazu jetzt gerade etwas sagen. Wenn (diese Diskussion) nur noch auf dieser rechtlichen Ebene abl&#xE4;uft, dann interessiert es mich heute Abend gerade &#xFC;berhaupt nicht mehr. Es ist wahrscheinlich falsch gelaufen, Sie haben wahrscheinlich einen Fehler gemacht. Aber das ist egal, es ist passiert.<br xmlns=""/>
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Matthias Frehner:<br xmlns=""/>
Es sind verschiedene Ebenen und das war einfach eine davon. Aber noch zum Kunstwerk und zur Frage von dir Gabriela, ob wir die M&#xE4;use auch ausgestellt h&#xE4;tten. Es ist wirklich ein sehr schwieriges Feld. Die Kunst geht immer weiter. Es herrscht ein Innovationsdruck, ein K&#xFC;nstler muss etwas Neues bringen. Wenn er es so formuliert, wie andere es auch gesagt haben, dann ist er ein Epigone und nicht mehr interessant. Man konnte mit Hyperrealismus Leute schockieren und Massenbewegungen ausl&#xF6;sen, denken wir auch an Ruedi Gyger beispielsweise. Das sind keine realen Objekte, sondern sie sind k&#xFC;nstlich hergestellt. Das ist abgegrastes Feld, das ist Schnee von Gestern. Demian Hirst hat echte Pr&#xE4;parate ins Museum geholt: Zerschnittene K&#xFC;he, Haifische und gr&#xE4;ssliche Dinge, die wirklich auch geschockt haben. Es war eine Zeit in den 90er Jahren wo eben Klone hergestellt wurden wie Dolly das Schaf und wo man, wie Sie Frau Cahn das gesagt haben, M&#xE4;usen Ohren aufgesetzt hat. Wir h&#xF6;ren ja auch davon, dass man menschliche Organe mit Schweinen nachz&#xFC;chtet und implantiert. Also all diese Fragen sind immer noch sehr aktuell. Man muss als K&#xFC;nstler provozieren, um ernst genommen zu werden und genau das macht er. Es hat mich schon provoziert und bewegt, als ich 1999 noch geglaubt habe, das dies ein fake ist wie Madame Du Saut. Da haben sie sehr viele Objekte, von denen wir denken, dass sie echt sind, aber sie sind nicht echt. Das ist genau so. Es hat mich bereits auf dieser Ebene getroffen, als ich noch gedacht habe, es ist ein fake. Und Bernhard Fibicher hat geglaubt es sei ein Affenkopf. Also man ist irritiert. Und jetzt wo ich eben weiss, das wissen wir erst, seit wir beim K&#xFC;nstler nachgefragt haben, dass es ein echter F&#xF6;tuskopf ist, habe ich umso mehr das Gef&#xFC;hl, dass es ein wichtiger Beitrag zu Kunst ist. Die Kunst stellt sich der Wirklichkeit, sie nimmt Bezug auf das, was die Wirklichkeit macht. Er formuliert es sehr radikal und provokativ. Ich finde, es ist ein Kunstwerk, das man ernst nehmen muss. Alle Diskussion es sei keine Kunst, kann ich nicht unterschreiben.<br xmlns=""/>
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Gabriela Christen:<br xmlns=""/>
Darf ich diese Frage aufnehmen und sie weiter geben an Andrea Riemenschnitter. Sie haben gesagt, die Kunst steht f&#xFC;r etwas, sie steht auch f&#xFC;r eine Gesellschaft und sie macht eine Aussage. Sie haben ja erw&#xE4;hnt, dass Sie im Internet zu chinesischen Reaktionen auf dieses Kunstwerk recherchiert haben. Mich w&#xFC;rde nat&#xFC;rlich sehr interessieren, wie diese Reaktionen ausgefallen sind und wie man (in China) dieses Werk gelesen hat.<br xmlns=""/>
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Beat Sitter-Liver:<br xmlns=""/>
Ich habe eigentlich gemeint, ich h&#xE4;tte Gr&#xFC;nde daf&#xFC;r angegeben, warum es eben nicht so ist, dass der K&#xFC;nstler und die K&#xFC;nstlerin alles machen kann was er oder sie wollen. Ich will das jetzt nicht repetieren. Herr Studer hat vorhin seinen Punkt mit den M&#xE4;usen nicht fertig machen k&#xF6;nnen. Ich will genau dieses Beispiel bringen. Es sind nicht nur zwei M&#xE4;use, ich weis nicht, wie viele dass es sind, aber es ist im Katalog pr&#xE4;chtig beschrieben. Die M&#xE4;use wurden aneinander gen&#xE4;ht und der K&#xFC;nstler sagt uns, er wollte sehen, wie sie nun damit umgehen und wie sie sich jetzt bewegen. Das hat er alles auf Video aufgenommen. Das kann der K&#xFC;nstler nicht, Frau Kahn! Das sind Lebewesen, die leiden, wenn man sie so zusammen n&#xE4;ht. Und mit dem Ausdruck, der K&#xFC;nstler darf alles, sind die Leiden nicht weg.<br xmlns=""/>
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Miriam Cahn:<br xmlns=""/>
Warum kann das ein Wissenschaftler tun und ein K&#xFC;nstler nicht?<br xmlns=""/>
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Beat Sitter-Liver:<br xmlns=""/>
Moment, das ist keine Antwort auf meine Frage, sondern eine neue Frage. Die Frage nach der Freiheit der Wissenschaft, und das m&#xF6;chte ich unterstreichen, ist genau die gleiche. Auch die Wissenschaft hat keine absolute Freiheit. Ich will ihnen ein Beispiel geben, es hat mit der Wissenschaft zu tun, aber es geht uns selber an. Wir haben hier in unserem Land ein Transplantationsgesetz verabschiedet, das in Geltung ist. Das hat einen Artikel 36 und dort wird etwa geregelt, wie wir umgehen sollen mit Geweben und auch mit F&#xF6;ten, die aus Aborten gewonnen und noch lebendig sind. Wir brauchen diese F&#xF6;ten, das hat unser Land akzeptiert, um beispielsweise den Kopf aufzuschneiden, dort aus dem Gehirn Gewebe wegzunehmen und es zu transplantieren. Das sind f&#xFC;r mich die Dinge, die mich bewegen. Ich habe nicht dagegen gesprochen. Ich schildere nur, nicht das, was Herrn Riedmatten uns da gesagt hat oder das ganze, was er ausgel&#xF6;st hat. Ich folge da den Unterstellungen, die Sie machen. Aber liebe Frau Cahn, es sind Unterstellungen, die wir machen, bezogen auf die Intentionen, die Herrn De Riedmatten hat, &#xFC;ber die m&#xFC;ssen wir dann noch reden. Es hat mit dem zu tun, was H</div></content></entry><entry><title>Statement Sammler: U. Sigg (de/fr)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.freiheitderkunst.ch/allgemein/statement-sammler-u-sigg-defr.html"/><id>http://www.freiheitderkunst.ch/allgemein/statement-sammler-u-sigg-defr.html</id><published>2005-09-08T17:51:00Z</published><updated>2005-09-08T17:51:00Z</updated><summary>U. Sigg (de)

Traduction fran&#xE7;aise:
U. Sigg (fr)</summary><author><name>Redaktion</name></author><contributor><name>Redaktion</name></contributor><content type="xhtml" xml:lang="de"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><a xmlns="" href="http://www.freiheitderkunst.ch/files/050908_statem_sigg.doc">U. Sigg (de)</a><br xmlns=""/>
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<a xmlns="" href="http://www.freiheitderkunst.ch/files/050908_statem_sigg_f.doc">U. Sigg (fr)</a></div></content></entry><entry><title>Statement Kurator: B. Fibicher (de/fr)</title><link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.freiheitderkunst.ch/allgemein/statement-kurator-b-fibicher-defr.html"/><id>http://www.freiheitderkunst.ch/allgemein/statement-kurator-b-fibicher-defr.html</id><published>2005-09-08T17:47:00Z</published><updated>2005-09-08T17:47:00Z</updated><summary>Fibicher (de)

Traduction fran&#xE7;aise:
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Matthias Frehner (fr)</summary><author><name>Redaktion</name></author><contributor><name>Redaktion</name></contributor><content type="xhtml" xml:lang="de"><div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><a xmlns="" href="http://www.freiheitderkunst.ch/files/050908_statem_fre.doc">Matthias Frehner (de)</a><br xmlns=""/>
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Mit seinem Zugang zur Performance-Kunst tritt Zhang Huan gewollt in den Hintergrund, um den Fokus auf die Kunst und nicht auf seine Person zu lenken. Er hat schon verschiedentlich mit Tieren gearbeitet &#x2013; das Projekt mit einer Kuh ist ein lang gehegter Traum, der mit seiner Einladung in die Schweiz nun endlich in Erf&#xFC;llung gehen kann. Er betrachtet die Kuh als mythisches Tier, das vollst&#xE4;ndig im Kreislauf der Natur aufgeht und dadurch den Menschen &#xFC;bertrifft. Durch allt&#xE4;gliche Verrichtungen, meint der K&#xFC;nstler, kann man am ehesten erkennen, was Mensch-Sein heist, in welcher Beziehung wir zur Welt stehen. Seine Performances versuchen diese Allt&#xE4;glichkeit nachzuahmen und rituell fortzusetzen.<br xmlns=""/>
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My Switzerland geh&#xF6;rt in eine Reihe von Performances, die mit "My America" (1999) begonnen hat und mit &#x201C;My Australia&#x201D; (2000), &#x201C;My Japan&#x201D; (2001) und &#x201C;My New York&#x201D; (2002) fortgesetzt wurde.<br xmlns=""/>
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<b xmlns="">Internationaler Kunststar</b><br xmlns=""/>
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In &#x201C;12 Square Meters&#x201D;, einer der ersten Performances von Zhang Huan, die internationale Anerkennung fand, sass er nackt, bedeckt mit Honig und Fliegen, in einer &#xF6;ffentlichen Toilette in Peking. Weder der Gestank noch der Fliegenterror brachten ihn aus der Ruhe. Zehn Jahre nach seinem durchschlagenden Erfolg lebt Zhang Huan in New York als Kunst-Star mit Auftr&#xE4;gen f&#xFC;r Performances von PS1, The Whitney Museum, The Contemporary Art Museum of Cincinnati und The National Gallery in Australien.<br xmlns=""/>
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Mehr: <a xmlns="" href="http://www.zhanghuan.com/">http://www.zhanghuan.com/</a><br xmlns=""/>
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Katalog:<br xmlns=""/>
Zhang Huan, 2003, Kunstverein in Hamburg,<br xmlns=""/>
Hatje Cantz (ISBN-3-7757-1220-8)</div></content></entry></feed>

